Krieg auf See

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Krieg auf See Bilder


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Deutsches-Reich-Reichsfahne.gif

in memorian

Einen Monat vor seinem Tod schrieb Gorch Fock folgende Zeilen. In der Seeschlacht vor dem Skagerrak fand er den Tod auf See, Ehre seinem Andenken.

„Sterb` ich auf der solten See,
 Gönnt Gorch Fock ein Seemannsgrab.
 Bringt mich nicht zum Kirchhof hin,
 senkt mich tief ins Meer hinab.
 Segelmacher, näh mich ein!
 Steuermann, ein Bibelwort!
 Junge, nimm dien Mütz mol af,
 Und dann sinnig öber Bord...“


Die Zeilen entstammen dem Buch „Auf See unbesiegt“ hrsg. von Eberhard von Mantey, München, 1921.

Liebe Besucher meiner Seite!

Auch auf See wurde um die Vormacht gestritten in den Weltkriegen. Großkampfschiffe und U-Boote waren die Waffen. Die Matrosen und Heizer, U-Boot-Leute und Maschinisten waren es, die 1914-1918 einen anderen Krieg erlebten als ihre Kameraden an Ost- und Westfront. Schlachten wurden auch hier geschlagen, denke ich an Coronel, Falkland und das Skagerrak. Die Männer wurden von den Granaten zerrissen oder verstümmelt. Zu tausenden fanden sie ihr nasses Grab in Ost- und Nordsee oder blieben auf dem Atlantik, für immer. Wer erinnert sich heute noch ihrer?
Auch sie hatten Mütter, die um sie bangten, Kinder, die nach dem Vater fragten und und und. In der Seeschlacht vor den Falklandinseln war auch ein Leutnant zur See Keilhack. Leider weiß ich nicht viel darüber. Meine Großmutter, die 2002 im Alter von 99 Jahren starb, Ida Keilhack, wusste nur noch, dass einer „dabei“ war. Was ich weiß, ist, dass er auf dem kleinen Kreuzer „Leipzig“ gedient hat und dass fast alle Schiffe des deutschen Kreuzergeschwaders, aus Ostasien kommend,
von den Engländern aus der Distanz heraus mit überlegenem Geschützfeuer versenkt wurden. Die wenigsten wurden in der eiskalten See aufgefischt. In der amtlichen deutschen Darstellung, dem „Marinearchiv“, ist der Name Keilhack nach dem 1. Weltkriege niedergeschrieben. Auch in oben bereits genannter Quelle ist von ihm die Rede im Zusammenhang mit den Berichten vom Gefecht, bei dem die deutschen Schiffe keine Chance hatten: nur eines konnte entkommen und zwar die „Dresden“,
aber auch dieser Kreuzer wurde eliminiert, Monate später. Die eigentliche Großschlacht war schließlich am 31.5./1.6.1916 vor dem Skagerrak. Hier wurde von Engländern und Deutschen hinterher gesagt, dass sie gewonnen haben. Was Fakt ist, ist die Tatsache, dass unsere, für viel Geld gebaute Hochseeflotte, mehr feindlichen Schiffsraum zerstörte als umgedreht die Engländer.
Und die Blockade der deutschen Küste blieb bestehen. Dann wurde es kaum noch gewagt, die teure Flotte einzusetzen, bis 1918 die Seekriegsleitung auf die Idee kam, einen letzten Schlag zu führen, auch der Ehre wegen. Es folgte die Meuterei, die Revolution, das Ende der Monarchie und dann die Auslieferung der Schiffe an den Feind. In Scapa Flow versenkte sich schließlich unsere Flotte 1919 selbst.

Ich bedanke mich für Ihr wertes Interesse! Thomas Keilhack 21.3.2011

28.8.1914 - Ariadne, Cöln und Mainz

" Ariadne ", " Köln " und " Mainz " - 28.8.1914 - Die erste Gefechtsberührung - Thomas Keilhack

Im Gegensatz zum offensiven Gedanken des Schlieffenplanes, sah der Kaiser ausgegebene Operationplan für die Kriegsführung in der Nordsee vor, durch eine Reizstrategie, mit Kleinkampfmitteln und durch Teilerfolge einen Kräfteausgleich zwischen beiden Flotten herzustellen, um dann die Flotte zur alles entscheidenden Seeschlacht anzusetzen. Die erste Gefechtsberührung zwischen beiden Flotten, bzw. von Teilen davon, erfolgte bei Helgoland am 28. August 1914. Schnellste Seestreitkräfte der Briten hatten die deutschen Sicherungslinien nördlich und westlich von Helgoland überfallen. Die deutschen Sicherungseinheiten bestanden lediglich aus Torpedo - und Minensuchbooten, die von kleinen Kreuzern gedeckt wurden. Als diese Kreuzer den Vorpostenbooten zu Hilfe kommen wollten, trafen sie auf ein britisches Schlachtkreuzergeschwader. Den britischen Seestreitkräften, aus 5 Schlachtkreuzern, 8 Kreuzern und 32 Torpedobooten bestehend, gelang es, durch ihr überlegene Geschützfeuer die 3 kleinen deutschen Kreuzer S.M.S. " Ariadne ", S.M.S. " Cöln " und S.M.S. " Mainz " zu versenken. Bereits in diesem Seegefecht wurde deutlich, daß der Operationsplan des Kaisers keineswegs so einfach realisiert werden konnte, wie man das vielleicht im Admiralstab glauben mochte. Ein weiterer Seekriegsschauplatz war das Mittelmeer. Die deutsche Mittelmeerdivision, aus den Kreuzern " Goeben " und " Breslau " bestehend, brach nach Konstantinopel durch und wurde am 16. August 1914 in die türkische Marine übernommen, da sich Italien seinen Bündnisverpflichtungen im Dreibund entzog. Den Schiffen war es gelungen, schon am 4. August die Einschiffungshäfen des 19. französischen Korps zu beschießen, obwohl ihnen die gesamte französische Hauptflotte und die englischen Mittelmeereinheiten gegenüberstanden, d.h. 15 Linienschiffe, 13 große und 4 kleine Kreuzer, 8 Zerstörerflottillen und zahlreiche U - Boote. Auch aus dieser Gegenüberstellung wird ersichtlich, wie unterlegen die deutsche Seekriegsflotte war, über welch begrenzte Potenzen, im Gegensatz zu Großbritannien, sie verfügte.

P.S.: Als die Briten am 4. August 1914 ultimativ von Deutschland verlangten, die belgische Neutralität zu achten und dieses Ultimatum ohne entsprechende Antwort deutscherseits ablief, verkündete der erste Lord der britischen Admiralität, Winston Churchill, " … daß er den britischen Kriegsschiffen auf allen Meeren den Befehl erteilt habe, die Kriegshandlungen gegen Deutschland zu eröffnen. "

Heinz Neukirchen - Seemacht im Spiegel der Geschichte - Berlin, 1982 - 334 S.

Coronel und Falkland 1914

1.11. / 8.12.1914

Als nach 2,5 monatiger beschwerlicher Fahrt das Kreuzergeschwader am 1. November aus dem Dunkel, in das es sich gehüllt hatte, auftauchte, ging strahlend der Stern von Coronel auf. Nach Vereinigung mit den Kreuzern " Leipzig " und " Dresden " hatte der Geschwaderchef Graf Spee auf Grund der dürftigen Nachrichten, die ihm zugegangen waren, es verstanden, das britische Geschwader unter Admiral Cradock zu stellen, es von den neutralen chilenischen Gewässern abzudrängen und in günstiger taktischer Stellung anzugreifen. Als am folgenden Tag die Sonne über dem Schlachtfelde aufging, lagen die beiden britischen Kreuzer, " Good Hope " und " Monmouth " , auf dem Grunde des Meeres, zwei andere befanden sich schwer beschädigt auf der Flucht, während das Kreuzergeschwader wohlbehalten in den Hafen von Valparaiso einlaufen konnte. Nur ein Tag der Ruhe war den Besatzungen vergönnt, der benutzt wurde, um noch einmal Nachrichten an die Lieben in der Heimat zu senden. Dann ging es wieder in See, einem unbestimmten Schicksal entgegen. Dem Druck überlegener japanischer Streitkräfte weichend, mußten Graf Spee sich entschließen, nach dem Atlantischen Ozean zu fahren; vom Admiralstab war ihm anheimgegeben worden, den Durchbruch durch die englische Blockadelinie in der Nordsee zu versuchen, Unterstützung durch Kohlen - und Munitionsdampfer war in Aussicht gestellt. So zogen sie bei schwerstem Wetter um das Kap Horn, eine dem Tode geweihte Schar. Keiner unter ihnen konnte im Zweifel darüber sein, daß das Schwerste bevorstand, da durch die britische Übermacht alles aufgeboten werden würde, die Scharte von Coronel auszuwetzen. Auf den Falklandinseln sollten die Hilfsmittel des Feindes vernichtet und durch Zerstörung der Funkstation seine Nachrichtenübermittlung unterbrochen. Falsche Nachrichten hatten das Unternehmen als ausführbar erscheinen lassen. Aber der Zufall, der im Seekriege oft eine verhängnisvolle Rolle gespielt hat, wollte es, daß gerade am Abend vorher ein überlegenes englisches Geschwader von 7 Schiffen, darunter 2 schwere Schlachtkreuzer, zum Kohlennehmen dort eingetroffen war. Da das Wetter, was in dieser Gegend selten ist, sehr klar und sichtig war, war das Schicksal des Kreuzergeschwaders mit diesem Zusammentreffen besiegelt. Der Ausgang konnte gegenüber der gewaltigen Übermacht der sehr viel schnelleren britischen Schiffe kein anderer sein. Aber wie haben die Deutschen gekämpft! Bei Coronel hatte die Schlacht kurz vor Sonnenuntergang begonnen; es herrschte ein derartiger Seegang, daß die Leute an den Geschützen bis an die Knie im Wasser standen; das niedrige Heck der feindlichen kleinen Kreuzer war durch die Wellenberge vollkommen der Sicht entzogen, der Bug nur zeitweise zu sehen. Trotzdem waren die beiden Panzerkreuzer " Good Hope " und " Monmouth " nach 50 Minuten niedergekämpft, während die deutschen Kreuzer im ganzen nur fünf Treffer erhielten. Bei den Falklandinseln begann das Gefecht um die Mittagszeit bei glatter See und klarem Wetter, und trotzdem dauerte es fast 50 Minuten, bis die Engländer den ersten Treffer auf die deutschen Kreuzer erzielt hatten, die ihrerseits infolge geringerer Schußweite ihrer kleineren Geschütze (21 cm gegen 30,5 cm Kaliber) erst 35 Minuten nach dem Eröffnen des Feuers durch den Gegner dieses erwidern, aber schon bei der dritten Salve den ersten Treffer beobachten konnten. Erst nach fast dreistündigem Gefecht wurde das deutsche Flaggschiff von der um das Vierfache überlegenen Artillerie seines Gegners zum Sinken gebracht, während " Gneisenau " sich noch während einer weiteren Stunde wehrte. Sie wurde, nachdem sie Munition verschossen hatte, von der eigenen Besatzung gesprengt. " Leipzig " und " Nürnberg ", die gegen sieben - oder fünffache Übermacht zu kämpfen hatten, wurden erst gegen Abend nach Erschöpfung aller Kampfmittel durch ihre Besatzungen versenkt. Hohe Anerkennung verdienen die Führung und die Gefechtsleistungen der deutschen Kreuzer, deren Besatzungen, in klarer Erkenntnis des bevorstehenden Unterganges, ihre Pflicht im Kampf gegen die gewaltige Übermacht bis zum letzten Atemzuge freudig und in stiller Selbstverständlichkeit erfüllten, in dem Geiste, der ihnen in hingebender, aufopfernder Friedensarbeit eingepflanzt war. Ein stilles Heldentum von erschütternder Größe ruht dort, wo bei den Falklandinseln die tiefe See sich für immer schloß über den Leibern deutscher Schiffe und deutscher Männer, die ihr Leben dahingaben für die Größe ihres Vaterlandes!

Bernhard Rösing

》John Esmondis, Midshipman auf H.M.S. " Invincible ", schrieb in einem Brief an seinen Vater:

" Es war absolut grauenvoll, all diese armen Deutschen, die ertranken und erbärmlich um Hilfe schrien, Hilfe, die wir nicht leisten konnten, weil die meisten unserer Boote zerschossen waren ... Da waren eine Menge Männer, die schwammen, als wir das Schiff untergehen sahen; aber als wir die Untergangsstelle erreichten, war die Hälfte von ihnen bereits ertrunken. Es war schrecklich, sie im Wasser zu sehen, an unserer Bordwand, wie sie versuchten, sich an der schlüpfrigen Seite des Schiffes festzuhalten, dann abrutschten, es wieder und wieder versuchten. Sie kämpften hart um ihr Leben, aber viele versanken und waren schließlich nicht mehr zu sehen. Wir sahen Männer in ihrem Todeskampf; einige von ihnen hatten Arme und Beine verloren, und das Furchtbarste war, sie untergehen zu sehen, während sie eine rote Blutspur hinter sich herzogen. " 187 Mann wurden schließlich von den Engländern gerettet, von fast 800. Unter den Ertrunkenen war auch der Kapitän.

Als die Flagge später weggeschossen wurde, wurde am Kutterdavit eine neue ausgebracht, und schließlich hielten vier Mann die Flagge an einer Stange hoch, während das Schiff unter ihren Füßen in die Tiefe glitt. Der erste Offizier der " Kent " äußerte später: " Ich wollte, meine Leute würden so heldenhaft zu sterben wissen, wenn es mal zum letzten Augenblick käme. " Nur 7 von 327 Mann wurden gerettet.

P.S.: S.M.S. " Leipzig "

" … Jöhnke und Lt. z. S. K e i l h a c k das Steuerbord - 5. Geschütz, um das ausgefallene Personal zu ersetzen. In dieser Zeit sind wahrscheinlich beide Ingenieure, Marine - Oberingenieure Hahn und Baade, beim Beseitigen von Störungen gefallen; ebenso der Oblt. z. S. d. R. Riediger bei einem Versuche, Feuer zu Löschen. Um 7 Uhr muß schließlich der Artillerieoffizier nach einem Rundgang an allen noch zugänglichen Geschützen und nach dem Verbrauch der gesamten Munition dem Kommandanten ( Freg. Kapt. Haun ) melden, daß alle artilleristischen Mittel erschöpft sind. Die Hütte und die darunterliegenden Räume sind wegen Feuers nicht mehr zu betreten, und das Personal im Ruderraum, dem der Ausweg auf dem gewöhnlichen Wege wegen Wassereinbruchs in den Vorraum in Abteilung II, der Weg durch den Notausgang aber durch das Feuer versperrt ist, hat keine Möglichkeit mehr, zu entkommen. Alle dort befindlichen Mannschaften sind mit dem Schiff gesunken. … So ist auch die letzte Waffe außer Wirkung, und etwa 7.10 Uhr, als ' Leipzig ' den letzten Schuß gefeuert hat, stellt auch der Gegner sein Feuer ein. … ' Schiff versenken. ' Es werden die hierfür vorgesehenen Maßnahmen, Öffnen aller erreichbaren Ventile, der Zirkulationspumpen - Ausgüsse und, nach Zerstörung der Verblockung, Öffnen des Steuerbord - Breitseit - Torpedorohrs ausgeführt. Gleich darauf werden ' Alle Mann auf ' gepfiffen … An allen anderen Stellen gleicht das Oberschiff einem Trümmerhaufen, der übersät ist mit Toten, Sterbenden und Verwundeten. Aber die Haltung der Mannschaft ist hervorragend. Von sterbenden Leuten wird verschiedentlich gefragt, ob die Flagge auch noch wehe, und auf die beruhigende Antwort hin, daß das Schiff mit Flagge untergehen würde, sinken sie zusammen. Trotz der fürchterlichsten Verstümmelungen werden keine Klagen, höchstens Bitten um Morphium oder Anlegen eines Verbandes laut. ' Das ganze Achterschiff brennt in einer einzigen riesenhaften Flamme, so daß der Großmast in seinem unteren Teile weißglühend wird, umknickt und über Bord geht, als das Schiff langsam nach Backbord überholt, denn die Wanten sind längst zerschossen. Schiff und Mannschaften sind gelb gefärbt von dem Rauch der Lydditgranaten. Die Unverwundeten überzeugen sich davon, wer noch am Leben ist, nehmen die Grüße der Verwundeten an ihre Angehörigen entgegen und verhelfen ihnen, soweit es möglich ist, zu Bojen, Schwimmwesten und anderem schwimmenden Material. Der Lt. z. S. v. Hopffgarten, der trotz schwerer Verwundung am Steuerbord - 1. Geschütz geholfen hat, ist durch die Erregung und den Blutverlust völlig erschöpft; er geht mit klaffender Beinwunde und zerfetzter Uniform auf die Brücke, wo er bis zum Untergang bleibt. In diesem Augenblick richtet der Kommandant einige Worte an die Mannschaft und bringt drei Hurras auf Seine Majestät den Kaiser aus, die Besatzung stimmt auf Vorgang des Gefechtspostens am Maschinentelegraphen, des Obermatrosen Pollmann, das Flaggenlied an, das alle, die Kraft haben, mitsingen. … Nach späteren englischen Berichten hieß er: ' Do you surrender? ' An Bord wird jedoch hierdurch der Glaube hervorgerufen, der Gegner käme heran, um Überlebende aufzunehmen, eine Auffassung, die jedoch vom Feinde selbst sofort widerlegt wird. Auf 20 bis 30 Hektometer drehen nämlich beide Schiffe hart Backbord, und als sie etwa vier Strich an Steuerbord stehen, eröffnen sie von neuem das Feuer auf das wehrlose Schiff. Der Erfolg ist entsprechend, denn die Geschosse schlagen in verheerender Weise in die dichtgedrängt stehende Besatzung und richten hier ein entsetzliches Gemetzel an. An den ersten Geschützen, hinter deren Schutzschilden viele Deckung nehmen wollen, werden durch die zurückfliegenden Splitter einer Granate, die den Kommandostand trifft, ganze Haufen von Leuten erledigt, unter ihnen der Lt. z. S. d. R. Pöpperling. In alle Teile des Schiffes schlagen Treffer ein, am schwersten jedoch sind die Verheerungen beim Backbord - Kutter. Dieser war eingeschwungen, und eine verhältnismäßig große Zahl von Leuten ist damit beschäftigt, ihn auszusetzen, nachdem sie Verwundete in ihn gepackt hatten. Unter diesen Mannschaften tritt ein derartiges Blutbad ein, daß alle weiteren Versuche, das Boot zu Wasser zu bringen, unterbleiben müssen. Diese Machtlosigkeit und die verhältnismäßig große Nähe der englischen Schiffe lassen einem Teil der Offiziere und Mannschaften schon jetzt den Zeitpunkt für geeignet erscheinen, über Bord zu gehen und auf den Gegner zuzuschwimmen. Der Erste Offizier springt mit dem Rufe: ' Ich will lieber versaufen, als dieser Bande in die Hände fallen ', mit einem Kopfsprung über Bord. Beide Ärzte, Marine - Stabsarzt Dr. Schaafhausen und Marine - Assistenzarzt d. R. Dr. Hagen, Oblt. z. S. Krauß, Lt. z. S. Klincksieck und Marine - Oberzahlmeister Bettermann verlassen das Schiff; aber die niedrige Temperatur des Wassers, etwa 3 Grad Celsius, läßt alle nach kurzer Zeit erstarren, und von Bord aus ist ein Haufen erstarrter Körper, auf den Feind zutreibend, sichtbar. Gerettet ist von ihnen niemand. … Als das Boot nach 100 m ab ist, ordnet der Kommandant, der sich inzwischen sein Jackett und seine Stiefel ausgezogen hat, an: ' So, nun alle springen! ' Die eindringlichen Bitten, ebenfalls über Bord zu gehen, da das Schiff im nächsten Augenblick kentern und sinken müsse und dem Feinde keinesfalls in die Hände fallen könne, beantwortet er mit den Worten: ' Sie wissen ja, der Kaiser hat mich zum Kommandanten dieses Schiffes gemacht, also gehe ich nicht eher von Bord, als bis es unter Wasser ist. ' Der Kommandant verabschiedet sich von den Überlebenden und wendet sich, eine Zigarre rauchend, zum Kommandostand. Kurz darauf springen die übrigen von Bord. Fast gleichzeitig legt sich ' Leipzig ' nach Backbord über, sinkt vorn schnell, so daß die Steuerbordschraube hoch aus dem Wasser kommt, und geht dann nach Backbord vorn unter lautem Zischen, das durch die verlöschenden Flammen entsteht, um 9.23 Uhr rasch unter, mit wehender Flagge und mit ihrem Kommandanten, Freg. Kapt. Haun. Von der Besatzung der ' Leipzig ' - rund 300 Mann - wurden nur 4 Offiziere, 5 Deckoffiziere, 2 Unteroffiziere und 7 Mann gerettet. "

Marinearchiv - Der Kreuzerkrieg - Coronel - Falkland, Gerhard Stalling, Oldenburg I.O. 1931, S. 96 - 99

Die komplette, auf ihrer letzten Reise ergänzte Mannschaft der " Leipzig " lässt sich mit absoluter Genauigkeit kaum mehr rekonstruieren. Die offizielle Verlustliste der Kaiserlichen Marine verzeichnet:

321 Tote / Vermisste
18 Überlebende
= 339 Mann an Bord

Kommandant Fregattenkapitän Johannes Haun (24.6.1871) Wetzendorf ...

Leutnant z. See Hans K e i l h a c k ( überlebt ) Berlin ...

Alexander Jehn - "Der letzte Mann - Die Todesfahrt der S.M.S. ' Leipzig '", Fulda, 2017, S. 77 / 78 - Mit freundlichen Grüßen

Thomas Keilhack


Untergang der Leipzig

Schiffskommandeure Falklandschlacht 8.12.1914

Kapitänleutnant Walter Schiwig war Wach- und Torpedooffizier auf der Leipzig.

In Lee des Kommandostandes saß noch Keilhack und lehnte an Hopfgarten.
Keilhack hatte die linke Hand verbunden und hatte Schmerzen in der Brust. Was er da hatte,
wurde erst im Januar in Liverpool festgestellt. Hopfgarten war kaum noch lebend zu nennen.
Er soll sich aber dennoch auf die Brücke geschleppt haben,
wo er sich im zerschossenen Kommandokartenhaus auf das Sofapolster gelegt haben soll.
Der Kommandant gab mir den Auftrag, alle Lebenden auf der Back zu versammeln. Ich ging über Deck.
Wie sah unser gutes Schiff aus! Wie ein Sieb die Aufbauten! Alles zerfetzt und verbogen bis auf die Kanonen.
Dazwischen stellenweise Berge von Toten, Gliedmaßen und noch Brave, die ganz schwache Lebenszeichen von sich gaben.
Wie und wo sollte man noch helfen?! Es war zum Verzweifeln! - Ich zählte 21, die noch standen.
Es waren dieses 17 von den 18 Geretteten, der Kommandant, Hopfgarten, ein verwundeter Maschinistenmaat und ein Signalgast,
wenn man einige noch Lebenszeichen von sich gebende Schwerverwundete nicht dazurechnete. Was sollte man aber mit diesen tun?
Jensen ging daran, den wenn auch beschädigten Steuerbordkutter auszuschwingen. Der Bootsmann und andere halfen später dabei.
Da das Schiff aber schon beträchtliche Schlagseite nach Backbord hatte, so war es schwer,
ihn über die Barringsbalken zu bekommen. Ich erzählte dem Kommandanten von dem Versuch.
Jensen kam auch nach vorn und sagte dem Kommandanten, daß es vielleicht noch ginge, wenn alle anfaßten. Der Kommandant sagte,
es sei doch nutzlos, da das Boot entzwei sei und das Schiff sich gerade noch mehr überlegte.
Die gänzlich zerschossenen und ihrer Stagen beraubten Schornsteine neigten sich plötzlich und
fielen auf das Backbordmitteldeck. Wir erwarteten nun ein schnelles Ende des Schiffes. Der Kommandant,
der selbst keine Schuhe mehr trug, drang in mich, ich solle mir wenigstens die Schuhbänder aufmachen.
Den Mantel hatte ich vorher einem Verwundeten übergedeckt. Wir standen auf der Steuerbordachterback zusammen:
der Kommandant, Koehler, Jensen, beide Steuerleute und der verwundete Maschinistenmaat.
Einer der Steuerleute hatte sogar einen Laib Brot gefunden und futterte. Die anderen waren auf dem Mitteldeck.
Keilhack wärmte sich an der heißen Wand der brennenden Hütte. Ich hatte ihn,
da es um 8 Uhr 40 Minuten ganz dunkel geworden war, aus den Augen verloren. Ein Wunder ist es mir,
daß sich das Schiff so lange hielt.

Quelle: „Auf See unbesiegt“, Eberhard von Mantey, München, 1921 S. 255 ff.


Die Engländer retteten dann nach Untergang der „Leipzig“ einige Überlebende. Das Ostasiengeschwader war am 8.12.1914 vernichtet worden.


Der letzten Mann - Hans Jürgen Hansen - 1973

Im übrigen drängen sich nach Beendigung der Arbeit einige persönliche Bemerkungen des Verfassers und einstigen Kriegsmarineangehörigen auf, die seine kritischen Ansichten über Glanz, Gloria und Heldentum der deutschen Flotten betreffen. So stieß ich zum Beispiel wieder auf diese Geschichte mit der Flagge. Es handelt sich um den Untergang des Kanonenbootes 
Iltis im Juli 1896 vor der chinesischen Küste. Angeblich hat die Besatzung drei Hurras auf den Kaiser ausgebracht und dann das sogenannte Flaggenlied angestimmt, ehe sie in die Tiefe sank: Ihr wollen wir treu ergeben sein, getreu bis in den Tod, ihr wollen wir unser Leben weihn, der Flagge Schwarz-Weiß-Rot  !
Wer, wie der Verfasser, selbst im Kriege Zeuge von Schiffsverlusten und dem Seemannstod von Dutzenden von Kameraden gewesen ist und im übrigen oft genug hat singen müssen, daß die Fahne mehr ist als der Tod, wird seine Aversion gegenüber derartigen Phrasen nicht mehr verwinden. Im Bilde verkörpert waren sie durch das im Ersten Weltkrieg hunderttausendfach reproduzierte Gemälde vom " letzten Mann ", der stehend freihändig im Atlantik vor den Falklandinseln auf dem Kiel des gekenterten Kreuzer ( S.M.S. " Leipzig " ) die Kriegsflagge schwenkt. Schon den lateinischen Sprüchen gegenüber bedarf es der Skepsis: Navigare necesse est  - vivere non est necesse.  Ich meine durchaus, daß Seefahrt nötig ist, aber nutzlos wäre sie, hielten wir das Leben für unnütz. Das Ende der vielen mit deutschen Kriegsschiffen dahingegangenen Seeleute war meist ganz unheroisch. Falls man nicht ohnehin im sinkenden Schiff steckengeblieben war, bedeutete es verzweifeltes Blasen in die an den Schwimmwesten befestigten Seenotpfeifen, in der Hoffnung, daß es gehört wurde, solange man noch Atem hatte  - dann Hoffnungslosigkeit, langsame Unterkühlung und endlich Bewußtlosigkeit. War das Wasser kalt, so war in einer halben Stunde alles vorbei. Und dann kamen die Möwen, die Aasgeier des Meeres. Ja, so war der Heldentod zu Wasser. Ich habe diese unmißverständliche persönliche Anmerkung gemacht, weil ich es andererseits für unzulässig und auch für ein bißchen würdelos halte, die gewichtige historische Realität und die enorme politische Bedeutung der deutschen Flotte zu bagatellisieren, wie auch die Idee von Macht und Seegeltung des Reiches, die sie verkörpert hat und die ihrerseits ein geschichtliches Faktum ist. Gewiß hat ihr, zumindest unter Wilhelm II. und Tirpitz, etwas Monströses angehaftet, aber sie war nichtdestoweniger eine außerordentlich populäre Sache. Die Flotte bot in der Zeit, die noch keinen weltweiten Flug - und Massentourismus kannte, für junge Leute aus nicht sehr reichem Hause oft die einzige Chance, sich die Welt zu besehen. " Join the Navy and see the  world ", dieser erfolgreiche Werbeslogan der amerikanischen Marine war auch die Losung der Jungen aus Sachsen und Bayern, die sich zum Dienst in der deutschen Flotte verdingten. Aber man mußte schon etwas länger dabei bleiben. Wer nur seine Wehrpflicht im blauen Zeug abreißen wollte, kam auf kein Kriegsschiff, es sei denn, er war ohnehin Seemann von Beruf. Aber länger dienende Freiwillige meldeten sich in Fülle. Und trotz aller Härte, die den Matrosen bei der militärischen wie nicht minder bei der christlichen Seefahrt abverlangt wurde, gab es genug La  - Paloma  - Romantik und erfüllte Weltreisesehnsüchte  - solange kein Krieg war. Tatsache jedoch bleibt, daß diese Flotte als politisch - militärische Institution und als Machtfaktor eines gesamtdeutschen, ja großdeutschen Nationalstaates ebenso scheiterte wie dieser selbst. 
Das aber ist kein Grund, sie zu vergessen  - dafür war sie zu bedeutend, zu imponierend, hatte (das Wort ist angebracht) zu viel historische Größe. 
Und historische Tragik. Denn noch weniger vergessen werden dürfen die Tausende  ihrer Besatzungsmitglieder, die in zwei Weltkriegen umsonst gefallen sind. Nicht zuletzt an sie soll dieses Buch erinnern. 
Und so widme ich es denn meinen auf See gebliebenen Kameraden, die nicht wie ich das Glück gehabt haben, gesund nach Hause gekommen zu sein. 

Insel Amrum im September 1973

Hans Jürgen Hansen

Gorch Fock

Krieg, Krieg, Krieg! Allns steiht up, allns tüht no buten. He dött noch ne gliek mit, sitt noch in 'n Hus un speit mit sien'n Jungen un sien lütt  Deern.  - Ober in Gedanken is he al allerwegens mit bi. Sien Voderland is in Gefahr, sien Dütschland is in Noot,  - ober he lacht un freit sick, denn nu kummt dat so, as he 't sick jümmer utdacht hett: All de Dütschen geft sick de Hand, - riek und arm, hooch und siet, al stoht se tohoop un haut loos, no beid Sieten.  - Do kummt 'n groote hille Freid öber em. He meldt sick freewillig, meldt sick nochmol, löppt jeden Dag na 'n Bohnhoff un winkt jem no, wenn se affoahrt. He köfft sick oll de Extroblöd, de sett sien swatt  - witt  - roote Flagg up un nimmt so bald goarne wedder dol, he molt jeden Obend de Grenzen up de Landkort 'n Stück wieder. - -

Dütschland, weehr di  !

Drei Grafen Spee

Weit vom Osten her durch die unendliche See
tragen drei gute Schiffe drei Grafen Spee. 
Der Vater auf der " Scharnhorst ", er ist Admiral. 
Herz wie aus Erz. Augen wie blanker Stahl. 
Auf der " Gneisenau " ein Sohn, Leutnant. Des Alten Blut.
Weiß schon  - was Pflicht ist. Weiß noch  - was Übermut!
Und auf der " Nürnberg " der dritte, der jüngste Spee;
Jubel, lachender Leichtsinn, Fähnrich zur See.
Der sang lachend ein Liedchen und taufte die Flotte, 
dem Ahnherrn zu Ehren, dem Briten zum Spotte, 
trank den letzten Wein, zerbrach den blanken Kristall  -
nannte sie " Deutsche Trutznachtigall! "
Von Japan her, weit über die große See,
kam mit deutschen Schiffen Admiral Graf Spee, 
schwamm zum Süden hinab längs der Salpeterwüste, 
fand den Engländer unten an Chiles Küste. 
Faßte ihn fest. Hob die Sense und schnitt die Garben, 
pflückte den ersten Sieg zur See für die schwarz-weiß-roten Farben. 
Bei den Falklandinseln in wildem Wogenschwall 
sang ihr letztes Lied die Trutznachtigall. 
Sang es gut und voll aus manchen Kanonen,
mußte doch herab zum Grunde, wo die Kraken wohnen. 
Wenn John Bull angreift, weiß er, sieben zu eins, seine Odds zu nützen, 
mehr in der Zahl, größer in Schiffen, viel stärker in den Geschützen. 
Und es sank die " Nürnberg ". Sank die " Scharnhorst ". Sank die " Gneisenau ".
Da weint' heiße Tränen in Kiel manche deutsche Seemannsfrau. 
Bei den Falklandinseln tief im Grunde der See
liegen drei deutsche Schiffe. Liegen auch drei Grafen Spee. 
Düsseldorf am Rhein, die vielliebe Stadt, 
drei gute Grafen dem Lande gegeben hat. 
Der eine war ein Leutnant, der andere war Admiral, 
der dritte war Fähnrich zur See auf der " Deutschen Trutznachtigall ".
Bei der Mariensäule, ganz nahe am Rhein, 
hinter der Orangerie, versteckt unter wildem Wein,
hebt sich über den Wassern das Schloß der Grafen Spee  -
und ein Dichter denkt: " Da ziehen ihre Seelen  - drei Schwäne auf einsamer See! "

 Hanns Heinz Evers 

P.S.: Quelle - Wikipedia

Nachdem der Verband um Mitternacht vom 1./2. Dezember Kap Hoorn gerundet hatte, brachte Spee eine englische Bark auf. In Picton wurde ihre Kohleladung auf die deutschen Schiffe verladen. Diese dreitägige Verzögerung erwies sich als schicksalhaft; denn als Spee am 8. Dezember 1914 dem Drängen seiner Stabsoffiziere folgte und sich zum Angriff auf die Funk- und Kohlestation in Port Stanley entschloss, war die Canopus nicht mehr allein im Hafen. Sturdee war mit seinen beiden Schlachtkreuzern am Vortag eingetroffen. Als Spee die Falklandinseln erreichte, eröffnete die Schiffsartillerie der Canopus das Feuer.[2] Vergeblich versuchte Spee nach Osten zu entkommen. Scharnhorst, Gneisenau, Leipzig und Nürnberg wurden versenkt. Über 2.200 deutsche Marinesoldaten fanden den Tod. Mit dem Geschwaderchef fielen auch seine beiden Söhne Otto (* 1890) und Heinrich (* 1893).

Anmerkung

Es ist überhaupt erstaunlich, welche Worte nach der Niederlage 1918 gefunden wurden, um der Toten zu gedenken.
So schrieb ein Walther Uthemann folgende Zeilen für einen Grabstein in Ostende (Quelle: Auf See unbesiegt):

Wir haben Wort gehalten,
Wir Jungen und wir Alten.
Getreu dem Eid, den wir geschworen,
Dem Lande treu, das uns geboren.
Und treu dem Kaiser bis zum Tod,
So gingen wir getrost zu Gott.


Gott sei dank ist es heute so, dass niemand mehr gezwungen ist, einen Eid zu schwören. Wer heute den Fahneneid auf Deutschland schwört, weiß, worauf er sich einlässt. Insofern ist es schon gut, wenn die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt wird. Natürlich hat das auch Nachteile.
Was aber niemand mehr begreift, ist die Tatsache, dass deutsches Militär im Ausland eingesetzt wird.........................
Das verpulverte Geld bräuchte unser eigenes Volk dringender, ich denke an die Sanierung vieler Schulen oder an das Reparieren unserer Straßen, die inzwischen fast so aussehen wie in der alten DDR.

Thomas Keilhack 26.3.2011

Gedicht: Auf See unbesiegt

Eberhard von Mantey


Eberhard von Mantey „Auf See unbesiegt“ 

Standhaft und stark in Freud und Leid,
Zum Dienen und Sterben allzeit bereit,
Das schwuren wir einst in dem Fahneneid-
Und über uns wehte die Flagge!

In eisigem Winter, in Sommers Pracht,
In harter Arbeit bei Tag und bei Nacht,
So festigten wir unsere Flottenmacht
Unter stolzer, wehender Flagge!

Wir führten die Schiffe trotzig und gut
In sengender, brennender Tropenglut,
Über stürmende See mit hohem Mut
Treu dienend der wehenden Flagge!

Es kam der Krieg!-Viel Feind` viel Ehr`!
Manch` Kreuzer versank nach tapferer Wehr,
Manch` U-Boot kehrte zur Heimat nicht mehr-
Sie sanken mit wehender Flagge!

Ein Festtag im Mai!-Es ist Himmelfahrt!
Vorm Skagerrak schlugen, nach deutscher Art,
Wir endlich Alt-England!-Wir trafen es hart!
Und ruhmvoll wehte die Flagge!

Auf See unbesiegt!-Doch Gift, Zwietracht und Not
Verraten die Flagge!-Auf Wahnsinns Gebot
Heißt man einen Fetzen-das Seeräuber-Rot,
Das ist keine ehrliche Flagge!

Bei Scapa Flow der Irrwahn vergeht.
Auf der Flotte wieder die Fahne weht.
Sie rüstet zum Sterben-ein stilles Gebet-
Und sinkt mit wehender Flagge!

So bleibt unsere Flagge in Ehren doch,
Wir wahren der Alten die Treue noch!
„Der letzte Mann“ hält sinkend sie hoch,
Als siegreich wehende Flagge!

Einst hatte das „Flaggenlied“ guten Klang,
Ihr Jungen, vergeßt nicht zu zahlen den Dank,
Ihr schuldet ihn Jedem, der sterbend es sang.
Das Lied von der wehenden Flagge!


Diese Zeilen sollen keinesfalls glorifizieren oder rechtes Gedankengut assoziieren. Sie spiegeln den Zeitgeist nach der deutschen Niederlage 1918 wider.
1919 musste das geschlagene Reich den Versailler Vertrag akzeptieren, was folgte, war der Aufstieg Hitlers und der NSDAP, das so genannte Dritte Reich und der nächste Weltkrieg mit einer noch größeren Niederlage.
T. Keilhack

S.M.S. Seydlitz

S.M.S. Seydlitz wurde in der Skagerrakschlacht schwer durch Geschützfeuer der Briten beschädigt. Sie konnte aber trotz des Eindringens von Wasser nach Hause gelangen. Sie war nach Reparaturarbeiten wiedervoll gefechtstüchtig. Sie ist vom Typ her ein Schlachtkreuzer, der eine hervorragende Panzerung besaß.
Die vergleichbaren englischen Schlachtkreuzer (3 an der Zahl) wurden durch Granaten versenkt, weil diese die Panzerung durchschlagen konnten. Für die Deutschen bedeutete daher die Skagerrakschlacht einen großen Sieg.

Vor Coronel besiegte das deutsche Geschwader unter Vizeadmiral von Spee die Briten.
Nach der Umrundung Südamerikas stieß man bei den Falklands auf überlegene britische Einheiten mit modernen Schlachtkreuzern.
Die veralteten deutschen Kreuzer hatten nicht den Hauch einer Chance am 8.12.1914 und wurden vernichtend geschlagen.

Torpedoboote waren recht schnell. Sie fuhren in Formation bis auf nahe Distanz an den Feind ran und schossen ihre Torpedos ab.
In der Skagerrakschlacht wurden etliche durch Geschützfeuer vernichtet.
Einen eigentlichen Erfolg hatten sie in dem Sinne nicht.

Dreadnought

Im Jahre 1906 betrat die Dreadnought die Bühne der Geschichte-die Ära der Großkampfschiffe begann.
Das Wettrüsten zur See, ausgelöst durch diesen Neubau, nahmen die Deutschen an. Zwei Flottengesetzte sollten den Umbau der Flotte beginnen. Die Schiffe wurden größer und bekamen schwerere Waffen, d.h. die Geschützkaliber hatten nun ab 30 cm und mehr.

Kräfteverhältnis in der Nordsee 1914

Schiffstyp England Deutschland
Linienschiffe 59 33
Panzerkreuzer 43 13
Geschützte Kreuzer 58 39
Torpedoboote 185 138
U-Boote 69 30
Deplacement 2065330 t 947602 t

Quelle: Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen 1914

U-Boot-Krieg

U-Boot taucht
erstes vernichtetes Schiff der Briten die Amphion

Die Amphion, ein kleiner Kreuzer, lief vor der Themsemündung auf eine deutsche Mine und ging unter. Deutschland musste, bedingt durch seine Unterlegenheit bei den Kriegsschiffen, auf den Minen- und U-Boot-Krieg zurückgreifen.

U 9

Der 22. September 1914 wird für alle Zeiten ein leuchtender Ruhmestag in der Geschichte der
deutschen Flotte sein. Im Frührot dieses denkwürdigen Tages hat das kleine deutsche 
Unterseeboot „U 9“, das in seinem engen Raume 26 Mann Besatzung faßt, die drei
straßenlangen englischen Panzerkreuzer „Abukir“, „Hogue“ und „Cressy“ samt ihrem fast
hundertmal größeren Personal durch ein paar wohlgezielte Torpedoschüsse binnen kurzer Zeit
zum Sinken gebracht! In der Nähe der holländischen Halbinsel Hoek van Holland war es, wo der
deutsche David die englischen Goliathe vernichtete, und zwar dermaßen, daß kaum 700 Mann der
Besatzung später von holländischen und britischen Schiffen aufgefischt werden konnten, an die 
1700 Mann aber wie junge Katzen ertranken, die meisten davon in halbnacktem Zustande; denn 
die Herren Engländer fühlten sich so sicher, daß die meisten bis in den lichten Morgen hinein 
schliefen, ohne je daran zu denken, daß „U 9“ und ihr Verderben wachte und ihnen schon so nahe
war! - Der Kommandant des „U 9“ ist Kapitänleutnant Otto Weddigen, am 15. September 1882 zu
Herford in Westfalen geboren und seit 1902 der deutschen Marine angehörig. Stolz kann seine
ihm durch Kriegstrauung verbundene junge Frau auf diesen Gatten sein, 
und froher Stolz darf auch die Angehörigen der anderen Helden („U 9“ kam unversehrt zurück) erfüllen, deren Namen wir
ebenfalls dem Gedächtnis überliefern: Oberleutnant zur See Spieß, Maschineningenieur: Schön,
Obersteuermann Träbert, Obermaschinist Heinemann; ferner die Bootsmannmaate Schoppe und
Hör; Matrosen: Geist, Rosemann, Schenker, Schulz; Obermaschinistenmaate Warlow,
Stellmacher, Hinrichs; Maschinistenmaate: März, Reichardt; Obermaschinistenanwärter:
Wollenberg, v. Koslowski; Oberheizer: Eisenblätter, Schüschke; Heizer: Karbe, Schober, Lied,
Köster, Vollstedt; Funkenheizer Sievers.

Quelle: „Nach Feierabend“ 1914

Auch „U 9“ ereilte sein Schicksal auf See..........die junge Frau Weddigens wurde zur Kriegerwitwe. Der Erfolg von „U 9“ war spektakulär, die Engländer unterschätzten zunächst diese Waffe. Ähnliche Schläge gegen die Grand Fleet waren in den nächsten Monaten eher die Ausnahme. Die U-Boot-Abwehr wurde hingegen immer effektiver.

Die Helden von " U 9 "


Ott Weddigen heißt der Kapitän, 

" U 9 " sein schlankes Boot, 

Und prasselnd läßt es im Sturme weh'n 

Die Flagge schwarz-weiß-rot. 


Frühmorgens war's, sie pirschten tief 

Bei Hoek von Holland heran,

Als jäh mit tönender Stimme rief 

Am Ausguckrohre der Mann:


" Drei englische Kreuzer sind in Sicht 

Und stehen vor unserem Visier, 

Drei Panzer glühen im Morgenlicht:

' Hogue ', ' Cressy ' und ' Abukir ' ! "


Ott Weddigen heißt der Kapitän, 

Der sprach: " Klar zum Gefecht!

Jetzt soll es um das Ganze geh'n -

Jetzt, Jungens, macht es recht!


Torpedo fertig! So, und los -

Ihr Kreuzer, hier herrschen wir! "

Und ein krachender Schlag, ein donnernder Stoß -

Dann sank der " Abukir ".


Und noch ein Schuß aus nächster Näh' -

Ein Dröhnen, ein gellender Schrei -

" Ihr Kreuzer, hier ist deutsche See! "

Dann brach die " Hogue " entzwei. 


" John Bulll, noch einen letzten Gruß 

Aus unserem Feuerschlund! "

Und wieder heult und tost ein Schuß -

Dann sank die " Cressy " auf Grund. 


Frühmorgens war's, sie tauchten empor 

Bei Hoek, der sandigen Bank,

Aus ihren Herzen brach's hervor 

Als Jubel und als Dank.


Ott Weddigen heißt der Kapitän, 

" U 9 " sein schlankes Boot, 

Und prasselnd läßt es im Sturme weh'n 

Die Flagge schwarz-weiß-rot. 

Karl Rosner.

P.S. : 1873 - 1951 (österreichischer Schriftsteller) ??????!!!!!!! ...

U-Boot-Falle

Aufbringung Munitionstransporter

U-Boot bringt Munitionstransporter nach Archangelsk auf


Nach erfolgreicher Feindfahrt

erfolgreiche U-Boot-Besatzung nach der Feindfahrt

" Im Unterseeboote nach Schottland ! " - " Nach Feierabend 1914 " - Feldpostbriefe

U 21
" Fünfzehnhundert Meter vom Feinde weg haben wir Ziehharmonika gespielt. Und der Feind hat es nicht einmal gehört. Manchmal nicht einmal wir selbst, wenn unsere Motore gar zu großen Radau machten. Unsere Ohren hörten nicht, was die Ziehharmonika spielte. Aber wir sahen das Lied an den Bewegungen des Spielers, an seinen Mienen, an seinen Füßen, die den Takt schlugen, an dem Instrumente selbst. Und wir haben das Lied mitgebrüllt, was unsere Lungen noch Kraft hatten, und doch haben wir von unserem eigenen Sange nichts gehört. So lärmen die Maschinen im Unterseeboote! Was ich weiß von der Fahrt an die schottische Küste? Fast nichts. Wir mußten nur eines: Siegen oder sterben! Bequem ist's nicht in so einer Nußschale. Der Mannschaftsraum ist gewiß kein Tanzsaal, und was die Lunge zum Atmen bekommt, ist keine Bergluft. Petroleum! Petroleum und wieder Petroleum! Da schnappt man nach Luft, wenn das Ding wieder in die Höhe taucht. 

Zehn Tage waren wir unterwegs. Wir wußten nicht, wohin es ging. ' In den Tod oder zum Sieg. Mehr weiß ich jetzt selbst nicht ', sagte unser Kommandant. Und dann ging's mit den anderen Unterseebooten hinaus ins Meer. Anfangs zusammen. Denn trennten wir uns. Die 

' U 15 ' haben wir nicht wieder gesehen, die ist vorm Feind geblieben. An der ganzen englischen Küste ging's entlang. Zeitweise unter Wasser. Sechs Stunden Arbeit und sechs Stunden Schlaf. Durch zehn Tage hindurch! Da gibt's kein Kommando. Man hört nichts als Lärm. Wie ein Taubstummer ist man. Man hört mit den Augen und redet mit Händen und Füßen. Wie es gerade kommt. So ein leichter Fußtritt, das heißt: ' Du, paß auf! Schau hin! Der Maat will Dir was sagen. ' Es gibt höllisch viel Arbeit für die paar Mann. Besonders, wenn das Boot unter Wasser ist. Da muß jeder auf seinem Posten sein. So ging es tagelang. Bald unten, bald oben. Das war die einzige Abwechslung. Und dann gab's auch einmal eine Sensation! Einer nach dem anderen durfte auf eine Minute seinen Platz verlassen und einen kurzen Blick durch das Periskop tun. Es war der schönste Blick meines Lebens! Droben wie eine Herde friedlicher Lämmer lag ein englisches Geschwader. Unbesorgt, als gäbe es keine deutschen Seewölfe in Panzerkleidung. 

Zwei Stunden lagen wir da auf Vorposten unter Wasser. Einen großen Panzer zu uns herunterzuholen, das wäre uns sicher gelungen. Aber wir durften nicht: wir waren auf Patrouille. Unser Boot mußte weiter. Wie mag's unserem Kommandanten zumute gewesen sein! So nahe am Feind und das Torpedo im Rohre lassen müssen. So mag's einem Jäger sein, der einen Tag vor Anfang der Rehbockjagd auf seinem Birschgange dreißig Schritt von sich einen kapitalen Bock eräugt. 


M. N. N. "

" Wißt ihr, was das heißt? " - U - Boot - Krieg

Vier lange Wochen, Tag und Nacht,
in Lederzeug geschlafen, gewacht. 
Vierzig Mann, die ein starkes Geist 
auf Leben und Tod zusammengeschweißt. 
Wißt ihr, was das heißt?

Tag und Nacht und Nacht und Tag
Maschinengerassel, Motorenschlag. 
Rastlos rasend die Kurbel kreist. 
Öldunst, der in Lunge und Augen beißt. 
Wißt ihr, was das heißt?

Wenn schäumend die Gischt das Boot umtollt, 
und es schlingert und stampft und es zittert und rollt, 
wenn der Sturm die See auseinanderreißt, 
wenn die Kälte der Wache den Atem vereist. 
Wißt ihr, was das heißt?

Geleitzug, Zerstörer und Kreuzer vereint 
zum Schutze der Dampfer; und dann rein in den Feind, 
der wütend Bombe auf Bombe schmeißt, 
bis hellkrachend ihn der Torpedo zerreißt. 
Wißt ihr, was das heißt?

Und bei euch? Wenn da ein Zeitungsblatt hängt:
" Vierzigtausend Tonnen versenkt! "
Denkt einmal nach, was es schweigend spricht:
Freilich, wir tun ja nur unsere Pflicht, 
Doch ihr ahnt nicht, was das heißt! Denn ihr wißt es nicht. 


Quelle: " Mein Vaterland - Lesebuch für die Heeres - und Marinefachschulen " - Herausgegeben von Direktor Dr. V. Beyer - Berlin, 1927 (Heeresfachschule beim Standortkommando Plauen - siehe auch: Max Richter / Weltkrieg 1939 - 1945

"Deutsches Matrosenlied" - Hermann Löns - U - Bootbesatzung

Heute wollen wir ein Liedlein singen, 
trinken wollen wir den kühlen Wein, 
und die Gläser sollen dazu klingen, 
denn es muß geschieden sein. 
Gib mir deine Hand, deine liebe Hand;
leb' wohl, mein Schatz, leb' wohl!
Denn wir fahren gegen Engeland. 

Unsere Flagge wehet auf dem Maste, 
sie verkündet unseres Reiches Macht;
denn wir wollen es nicht länger leiden, 
daß der Englischmann darüber lacht. 
Gib mir deine Hand, deine liebe Hand;
leb' wohl, mein Schatz, leb' wohl!
Denn wir fahren gegen Engeland. 

Kommt die Kunde, daß ich bin gefallen, 
daß ich schlafe in der Meeresflut, 
weine nicht um mich, mein Schatz, und denke, 
für das Vaterland, da floß mein Blut. 
Gib mir deine Hand, deine liebe Hand;
leb' wohl, mein Schatz, leb' wohl!
Denn wir fahren gegen Engeland. 

Hermann Löns


Dieses Lied ist zu Kriegsanfang gedichtet und von den U - Bootsbesatzungen, besonders in Flandern, viel gesungen worden vorm Auslaufen zu Unternehmungen

Die durch die deutsche U - Boot - Waffe versenkte Handelstonnage

U 55 - 1916

(in Bruttoregistertonnen - Heinz Neukirchen - " Seemacht im Spiegel der Geschichte " - Berlin, 1982 - S. 355)

Nach deutschen Angaben BRT
1914 100383
1915 1191704
1916 2186462
1917 6149070
1918 2751152
insgesamt 12284757 BRT

Auf dem Weg zum uneingeschränkten U - Boot - Krieg

Das ausgehende Jahr 1914 offenbarte die tiefe Krise, in der sich Generalstab und Flottenführung befanden (3. Januar 1990 - Belegarbeit - Pädagogische Hochschule " Clara Zetkin " Leipzig - Sektion Geschichte - Betreuer: Dr. Manfred Leyh). An den Landfronten verharrte der Krieg seit der Marneschlacht (Weltkrieg 1914 - 1918: www.keili-online.de) in festgeschriebenen Stellungen und der Seekrieg der Briten gegen Deutschland mit der Fernblockade unterbrach den deutschen Seehandel, schnitt Deutschland von strategisch wichtigen Rohstoffen und lebenswichtigen Gütern ab. Diese Kriegführung der Briten mußte sich auf Dauer lähmend auf den Kriegswillen des deutschen Volkes auswirken. Krampfhaft suchte die Marineführung nach einem Ausweg aus der Krise. Bereits am 10. Oktober 1914 schrieb Hugo von Pohl an den Chef der Hochseeflotte: " Da England also versucht, unseren Handel zu vernichten, üben wir nur gerechte Vergeltung, wenn auch wir Handelskrieg mit allen Mitteln betreiben. Da ferner England hierbei ohne jede Rücksicht auf das Völkerrecht verfährt, so haben wir nicht die geringste Veranlassung, uns eine Beschränkung in der Kriegführung aufzuerlegen … Durch das U - Boot ist uns ein Mittel in die Hand gegeben, diese Schädigung in weitestgehendem Maße zu erreichen " (Helmut Otto; Karl Schmiedel - " Der erste Weltkrieg: Dokumente " - Berlin, 1977 - 421 S.; siehe an: 98 S.). Der Gedanke, U - Boote gegen den feindlichen Handel anzusetzen, wurde also erst im Herbst 1914 ernsthaft erwogen. Das anfänglich noch vorherrschende Zögern um den Einsatz der U - Boote resultiert aus der Hoffnung auf eine Seeschlacht mit der Royal Navy. Doch wie schon erwähnt, die Seekriegführung befand sich in einer Sackgasse - der Einsatz der U - Boote schien ein Ausweg zu sein, um auch Großbritannien von seinen lebenswichtigen Handelsverbindungen abzuschneiden. Die Befürworter für den Einsatz der U - Boot - Waffe gegen den britischen Handel wurden immer mehr. Unter ihnen war auch der Staatssekretär im Reichsmarineamt, Großadmiral Alfred von Tirpitz. Die deutsche Regierung entschloß sich schließlich, den Einsatz von U - Booten gegen die feindliche Handelsschiffahrt freizugeben. Der deutsche Außenminister übergab daraufhin den Botschaftern der neutralen Staaten am 4. Februar 1915 eine Note, in der die Gewässer um die Britischen Inseln zum Kriegsgebiet erklärt wurden:

" 1. Vom 18. Februar an wird jedes in diesem Kriegsgebiet angetroffen feindliche Kauffahrtteischiff zerstört werden, ohne daß es immer möglich sein wird, die dabei der Besatzung und den Passagieren drohenden Gefahren abzuwenden. 

2. Auch neutrale Schiffe laufen im Kriegsgebiet Gefahr, da es angesichts des von der britischen Regierung am 31. Januar angeordneten Mißbrauchs neutraler Flaggen und der Zufälligkeit des Seekrieges nicht immer vermieden werden kann, daß die auf feindliche Schiffe berechneten Angriffe auch neutrale Schiffe treffen. " (Heinz Neukirchen - " Seemacht im Spiegel der Geschichte " - Berlin, 1982 - 448 S.; siehe an: 338 S.)

Natürlich reagierten die neutralen Staaten mit äußerst scharfen Protesten. Vor allem aber die Vereinigten Staaten drohten Deutschland unausbleibliche Konsequenzen an, so daß der Marineführung einschränkende Maßnahmen für den U - Boot - Einsatz auferlegt wurden. Für den zu beginnenden Handelskrieg gegen Großbritannien standen der kaiserlichen Marine ganze 22 U - Boote zur Verfügung, die natürlich nicht in der Lage sein konnten, die Briten 

" friedensreif " zu machen. Die auf einen schnellen Krieg eingestellte deutsche Industrie konnte es nicht schaffen, in kürzester Zeit die Anzahl der U - Boote drastisch zu erhöhen. So erscheint es mir auch unverständlich, wenn von Pohl am 7. Januar 1915 schreibt:

" Wir haben jedoch in unseren leistungsfähigen U - Booten ein Mittel in der Hand, England … den Lebensnerv abzuschneiden. Ich erblicke in der U - Boot - Blockade eins der wirksamsten Mittel zur Erreichung des Kriegszwecks gegenüber England. " (Helmut Otto; Karl Schmiedel s.o. 120 S.)


Sicherlich waren die deutschen U - Boote leistungsfähig, hatte man doch schon lange zielstrebig an der Entwicklung dieser Waffe gearbeitet. Doch mit nur 22 U - Booten England den Lebensnerv abschneiden zu wollen, ist für mich mehr als nur unrealistisch!!! Wie dem auch sei, die erhofften großen Erfolge mußten ausbleiben. Statt dessen sollte es zu diplomatischen Verwicklungen mit den USA kommen, denn am 7. Mai 1915 versenkte ein deutsches U - Boot den 30396 Bruttoregistertonnen großen britischen Passagierdampfer " Lusitiana " mit einem Torpedo. Unter den 1198 Toten befanden sich auch 139 USA - Bürger. Die Amerikaner verlangten sofort von Deutschland, auf den Einsatz von U - Booten gegen Handelsschiffe zu verzichten. Die deutschen U - Boot - Kommandanten erhielten Order, keine neutralen Schiffe anzugreifen sowie auf Angriffe auf große feindliche Schiffe und Passagierdampfer zu verzichten. Dadurch gingen die ohnehin schon bescheidenen Erfolge der U - Boote noch weiter zurück. Als am 19. August der englische Passagierdampfer " Arabic " torpediert wurde, stellte man den 

U - Boot - Krieg zunächst ein. Die Angst vor einem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten war wohl zu groß. Und so mußte man eingestehen:

" So wie der U - Bootkrieg 1915 geführt war, stellte er kein vollwertiges Aushilfsmittel an Stelle des Einsetzens der Flotte. " (Lützow, Konteradmiral A. D. - " Marinearchiv: Einzeldarstellungen des Seekrieges 1914 - 1918 " Bd. 1 - Oldenburg, 1931 - 202 S. - siehe an: 65 S.)

Die Hilflosigkeit der deutschen Seekriegführung hatte einen Höhepunkt erreicht. Der am 24. Januar 1916 vollzogene Wechsel im Flottenkommando brachte auch frischen Wind in den fast völlig eingeschlafenen U - Boot - Krieg. Der neue Chef der Hochseeflotte, Admiral Reinhard Scheer, gab am 23. Februar 1916 folgenden Ausführungsbefehl an die U - Boote der Hochseeflotte über die Eröffnung des U - Boot - Handelskrieges an der Westküste Englands heraus, der ab 24. Februar begann:

" 1. Der U - Boot - Handelskrieg an der Westküste Englands ist zu eröffnen … 
2. Alle feindlichen Handelsschiffe sind zu vernichten …
In diesem Stadium des U - Boot - Krieges ist alles zu vermeiden, was zu Konflikten führen 
kann … " (Helmut Otto; Karl Schmiedel s.o. 165 S.). 

Auch hier wird die Angst vor einem eventuellen Eingreifen der USA deutlich. Der U - Boot - Krieg sollte zunächst nach den Regeln für Überwasserschiffe ablaufen; Schiffe, die als Truppentransporter oder als bewaffnet erkannt wurden, sollten ohne vorherige Warnung versenkt werden. Am 24. März 1916 versenkte ein deutsches U - Boot den französischen Dampfer " Sussex " , den es für einen Truppentransporter gehalten hatte. Und wieder mußte sich die deutsche Regierung den Forderungen des US - Präsidenten Wilson fügen, den U - Boot - Krieg aufgeben und den Kommandanten bestrafen. Diese sogenannte k. o. - Note, die den Abbruch der diplomatischen Beziehungen androhte, führte dazu, daß am 24. April 1916 die Reichsregierung bei Kaiser Wilhelm II. durchsetzte, den U - Boot - Krieg absofort nach der Prisenordnung durchzuführen. 

Der Chef der Hochseeflotte Admiral Scheer verlangte, entgegen den Bedenken der Regierung, den uneingeschränkten U - Boot - Krieg. Noch aber schob die Reichsregierung die Entscheidung darüber weit hinaus - die Angst vor dem Kriegseintritt der USA mit ihrem riesigen Potential war groß. Je länger der Krieg jedoch tobte, desto mehr wurde die Zufuhr von strategischen Rohstoffen und Lebensmitteln ein entscheidender Faktor für den Ausgang des Krieges. Die Abschnürung Deutschlands mußte bei weiterem Fortgang des Krieges tödlich wirken. Die monatelangen Materialschlachten an der Somme und vor Verdun (siehe an Weltkrieg 1914 - 1918: www.keili-online.de) hatten das deutsche Heer so ausgeblutet, daß die Oberste Heeresleitung eingestehen mußte, daß der Krieg an den Landfronten nicht mehr siegreich beendet werden könne. So forderten auch ein Hindenburg und ein Ludendorff den uneingeschränkten U - Boot - Krieg, um doch noch den Sieg über die Ententemächte aus dem Feuer zu reißen. Bevor sich die deutsche Regierung zu diesem Schritt entschloß, versuchte sie mit einem Friedensangebot einen Teil der Kriegsziele zu verwirklichen. Wie nicht anders zu erwarten lehnte die Entente ab. Die Amerikaner bereiteten sich selbst schon auf den Kriegseintritt vor, der

" … wegen einer deutschen Dummheit … " (Heinz Neukirchen s.o. 351 S.)

kommen würde. Die deutsche Dummheit war letzten Endes die Zustimmung der deutschen Regierung zum uneingeschränkten Einsatz der U - Boot - Waffe, weil man der Ansicht war, daß der Krieg für Deutschland nicht anders zu gewinnen sei. Admiral Henning von Holtzendorff, Chef des Admiralstabes, konnte den Befehl zur Führung des uneingeschränkten U - Boot - Krieges an Hochseeflotte und Marinekorps geben:

" 1. Vom 1.2.1917 ab ist jedes innerhalb des Sperrgebietes angetroffene feindliche Handelsschiff ohne weiteres anzugreifen … Neutrale Dampfer, Schiffe der belgischen Unterstützungskommission und unbewaffnete feindliche Passagierdampfer sind im Sperrgebiet der Nordsee bis 12 Uhr nachts vom 6. / 7.2., im übrigen Sperrgebiet bis 12 Uhr nachts vom

28.2. / 1.3. nach Prisenordnung zu behandeln … " (Helmut Otto; Karl Schmiedel s.o. 225 S. & 

" Im Begleitschreiben, mit dem die Denkschrift am 22. Dezember Hindenburg zugeschickt wurde, erklärte der Chef des Admiralstabes auf das bestimmteste: ' Ich stehe nicht an zu erklären, daß wir, wie die Verhältnisse jetzt liegen, mit uneingeschränktem U - Boot - Krieg in fünf Monaten England zum Frieden zwingen können. ' " siehe an Baldur Kaulisch s.u. 30 S.) ...

Am 3. Februar brachen die USA die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab - am 6.4. folgte die Kriegserklärung!!! ( " In seiner selbstherrlichen Verblendung kommentierte 

Wilhelm II. solche Versuche Mitte März mit den Worten: ' Es ist jetzt ein für allemal Schluß mit Verhandlungen mit Amerika: Will Wilson Krieg, soll er ihn herbeiführen und ihn dann haben! ' " - Baldur Kaulisch - " U - Boot - Krieg 1914 / 1918 - Berlin (DDR), 1976 - 40 S. - illustrierte historische hefte 4) … Für den uneingeschränkten U - Boot - Krieg standen der kaiserlichen Marine ab Anfang 1917 126 U - Boote zur Verfügung. Die höchste Zahl an einsatzfähigen U - Booten wurde im Oktober 1917 erreicht, als man 140 U - Boote gegen die britischen Zufuhren einsetzen konnte. Die vom Krieg zerrüttete deutsche Wirtschaft war allerdings nicht in der Lage, die Zahl der U - Boote zu erhöhen. In den ersten 4 Monaten des uneingeschränkten U - Boot - Krieges versenkte die deutsche U - Boot - Waffe 1175 Schiffe mit mehr als 2 Millionen Bruttoregistertonnen. Die Situation war ernst für Großbritannien. Feldmarschall Haig schrieb in dieser Zeit der Gefahr für sein Land folgendes über eine Kabinettssitzung:

" Heute wurde ein sehr ernster und beunruhigender Umstand erörtert. Admiral Jellicoe berichtete, daß der durch den deutschen U - Boot - Krieg hervorgerufene Mangel es Großbritannien unmöglich machen würde, den Krieg ins Jahr 1918 fortzusetzen. Jellicoe sagte wörtlich: ' Es hat keinen Zweck, Pläne für das kommende Jahr zu machen. Wir können nicht mehr weiter machen. Bei Fortsetzung des U - Boot - Krieg in diesem Ausmaß muß Großbritannien seinen Widerstand am 1. November 1917 aufgeben. ' "

(Heinz Neukirchen s.o. 353 S.) !!!

Doch soweit sollte es nicht kommen. Die angestrebten Versenkungsergebnisse von 600000 Bruttoregistertonnen wurden zwar erreicht oder sogar überboten, doch Großbritannien wurde nicht friedensreif versenkt. Statt dessen war der Amerikaner in den Krieg eingetreten und drohte die ohnehin ermatteten Mittelmächte unter Führung Deutschlands vollends militärisch zu schlagen. Die Briten bewaffneten sämtliche Handelsschiffe und rüsteten Kriegs - und Hilfsschiffe mit Unterwasserhorchgeräten und Wasserbombenwerfern aus. Auch U - Boot - Fallen, d.h. Schiffe mit versteckten Geschützen an Bord waren ein wirkungsvolles Gegenmittel. Die wirkungsvollste Maßnahme war aber die Einführung des Geleitzugsystems, das die Erfolgsmöglichkeiten eines U - Boot - Angriffes auf ein Minimum herabdrückte. In den USA vergrößerte man die Anzahl von Neubauten auf den Werften. Viele Staaten, wie zum Beispiel Brasilien und Panama, stellten Schiffsraum zur Verfügung. Dadurch mußte der uneingeschränkte U - Boot - Krieg seine Wirksamkeit verlieren. Von 374 überhaupt eingesetzten U - Booten gingen 199 durch Feindeinwirkung verloren. Damit war der U - Boot - Krieg des kaiserlichen Deutschlands zusammengebrochen. Trotz 5234 vernichteter Handelsschiffe konnte die Zufuhr über den Atlantik in keiner Weise unterbrochen werden. 


Thomas Keilhack 3.10.2019

Die Taten der Emden


Die "Emden" gehörte zum Ostasiengeschwader. Kurz nach Kriegsbeginn 1914 sollte das Geschwader nach Deutschland durchbrechen,
was mit der Falklandschlacht misslang. Der kleine Kreuzer 'Emden`wurde zum Kreuzerkrieg in den Indischen Ozean entlassen.
Wochenlang attackierte das Schiff unter Kommandant Müller die englischen Handelsrouten erfolgreich. Zig britische Schiffe wurden versenkt.
Allerdings wurde dann die"Emden" gestellt und außer Gefecht gesetzt.

Die kaiserliche Marine im Kampf um den Kräfteausgleich mit der Royal Navy

Thomas Keilhack


Am 30. Juli 1914 hatte Kaiser Wilhelm II. folgenden Operationsplan für die Kriegsführung in der Nordsee ausgegeben:


" S. M. der Kaiser haben für die Kriegsführung in der Nordsee befohlen:

1. Ziel der Operationen soll sein, die englische Flotte durch offensive Vorstöße gegen die Bewachungs - oder Blockadestreitkräfte der Deutschen Bucht sowie durch eine an die britische Küste getragene rücksichtslose Minen - und wenn möglich Ubootsoffensive zu schädigen.

2. Nachdem durch die Kriegführung ein Kräfteausgleich geschaffen ist, soll nach Bereitschaft und Zusammenfassung aller Kräfte versucht werden, unsere Flotte unter günstigen Umständen zur Schlacht einzusetzen. Bietet sich schon vorher günstige Gelegenheit zum Schlagen, so muß diese ausgenutzt werden. "

(Konteradmiral A. D. Lützow - " Marinearchiv: Einzeldarstellungen des Seekrieges 1914 - 1918 / Bd. 1 " - Oldenburg, 1931 - S. 15)


Am 1. August 1914 verfügte die kaiserliche Marine über 28 U - Boote, wovon nur 19 frontreif waren. Vor ihnen stand die Aufgabe, den Operationsplan des Kaisers in die Praxis umzusetzen und der Royal Navy einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Im Vorfeld dieser Betrachtungen ist bereits zu vermerken, daß dieser entscheidende Schlag ausblieb, trotz einiger spektakulärer Erfolge der deutschen U - Boot - Waffe gegen die britische Schlachtflotte.

Der erste Erfolg gegen die Briten konnte am 5. September 1914 verbucht werden, als es

" U 21 " unter Kapitänleutnant Hersing gelang, den britischen kleinen Kreuzer " Pathfinder " zu versenken (siehe an: uboat.net - " Sein erstes Opfer war die H. M. S. ' Pathfinder ' …" &

" … versenkte Hersing vor den Dardanellen 2 britische Linienschiffe, die ' Triumph ' und

' Majestic ' " - Orden zum Beispiel: Eisernes Kreuz 2. Klasse, 1. Klasse, Pour le Mérite - Danke für uboat.net !!!). Nur wenige Tage später versenkte das deutsche U - Boot " U 9 ", unter Otto Weddigen, am 22. September die 3 älteren britischen Panzerkreuzer

" Aboukir ", " Hogue " und " Cressy " innerhalb von 75 Minuten. Außerdem wurde am 15. Oktober der englische Kreuzer " Hawke " durch ein deutsches U - Boot versenkt. Auch das britische Linienschiff " Formidable " fiel, in der Neujahrsnacht 1914 / 15 dem Torpedo eines U - Bootes ( " U 24 " ) zum Opfer. Die erwähnten Erfolge deutscher U - Boote waren ohne Zweifel spektakulär und unterstrichen nachhaltig die Bedeutung der U - Boot - Waffe, doch den angestrebten Kräfteausgleich konnten auch sie nicht erzielen, denn zum einen war ihre Zahl noch recht beschränkt und zum anderen war die Entwicklung dieser Waffe noch lange nicht am Ende.

Und man muß auch anfügen, daß die Erfolge der U - Boote in den ersten Kriegsmonaten teilweise auch auf dem Überraschungsmoment beruhten. Nur so läßt sich dieser Auszug aus der Denkschrift des Chefs des Admiralstabes, Admiral Hugo von Pohl, über den weiteren Einsatz der Seestreitkräfte vom 7. Januar 1915 deuten:


" Wir haben lange auf einen neuen Erfolg gegen englische Seestreitkräfte warten müssen ! "

(Helmut Otto; Karl Schmiedel - " Der erste Weltkrieg: Dokumente " - Berlin, 1977 - S. 120)


Natürlich hatte man auch versucht, mit einer Minenoffensive den Briten empfindlich zu schaden. U - Boote sowie schwach armierte Hilfskreuzer wurden zum Minenlegen ausgerüstet. Der erste kleine Erfolg war am 6. August 1914 zu verzeichnen, als der kleine englische Kreuzer " Amphion " auf eine Mine des Hilfsstreuminendampfers

" Königin Luise " lief. Der 27. Oktober brachte die Versenkung des modernen britischen Linienschiffes " Audacious ", das auf eine Mine des Hilfsstreuminendampfers " Berlin " lief. Die Erfolge mit Minen hielten sich also auch in Grenzen. Die gelegten Minen erwiesen sich zudem als auch gefährlich für die eigenen Kriegsschiffe, denn am 4. November lief der deutsche Panzerkreuzer " York " auf eine eigene Mine im Jadebusen, dem Ankerplatz der Deutschen Hochseeflotte. In der schon zitierten Denkschrift des Chefs des Admiralstabes, Admiral Hugo von Pohl, fand ich auch folgendes:


" … muß aber festgestellt werden, daß die bisherige Kriegsführung eine wesentliche, den weiteren Verlauf des Krieges beeinflussende Schädigung des Gegners an seinen Hauptstreitkräften nicht erreicht hat. Er hält diese … grundsätzlich so weit von unserer Küste zurück, daß sie für unsere Torpedoboote unerreichbar sind. Auch die Erfolge unserer U - Boote und unserer Minenunternehmungen haben NICHT zu dem erhofften Kräfteausgleich geführt. "

(Helmut Otto; Karl Schmiedel - " Der erste Weltkrieg: Dokumente " - Berlin, 1977 - S. 118)


Es mußten also neue Lösungsvorschläge her. Das Zurückhalten der Schlachtflotte bei weiterer Fortführung des Krieges mit Kleinkampfmitteln allein, konnte nicht ausreichend genug sein. Hugo von Pohl schlug darum vor


" … unter energischer Weiterführung der Minen - und U - Boot - Offensive dem Chef der Hochseestreitkräfte die grundsätzliche Genehmigung zu erteilen, in freierer Weise als bisher die Maßnahmen zu treffen, die ihm zur Erzielung des Kriegszweckes und zur Aufrechterhaltung der Schlagbereitschaft der Hochseestreitkräfte erforderlich erscheinen. "

(Helmut Otto; Karl Schmiedel - " Der erste Weltkrieg: Dokumente " - Berlin, 1977 - S. 119)


Was hier von Pohl formuliert, ist doch wohl nichts anderes, als ein Eingeständnis der Krise, in der sich auch die deutsche Seekriegsleitung in jenen Tagen befand. Die Empfehlung Hugos von Pohl, öfter in See zu gehen, wurde vom Chef des Stabes der Hochseeflotte, Vizeadmiral Eckermann, aufgegriffen. Er machte dem Flottenchef Admiral von Ingenohl den Vorschlag, um den 23. Januar 1915 einen Vorstoß der Kreuzer und Flottillen nach der DOGGERBANK zu unternehmen.

S.M.S. Blücher


Die "Blücher" ist benannt nach dem berühmten preußischen General aus den Befreiungskriegen.
Blücher kam Wellington in der Schlacht von Waterloo am 18.6.1815 gegen Napoleon im entscheidenden Augenblick zu Hilfe auf dem Schlachtfeld.
Napoleon verlor und wurde auf St. Helena verbannt, wo er 1821 starb.
Das Schiff nahm am 24.1.1915 an der Seeschlacht auf der Doggerbank gegen die Briten teil und wurde versenkt.

Das Gefecht auf der Doggerbank 24.1.1915

S.M.S. “ Blücher “ - 24.1.1915

Drei Stunden währt der Kampf - jetzt verstummen die Geschütze, sie sind endgültig zum Schweigen gebracht. Auch der Feind stellt das Feuer ein. Die Schlagseite des Schiffes nach Backbord wird langsam stärker. Die Schiffsglocke wird angeschlagen: “ Alle Mann an Deck! “ … Armer Mensch, keine Anklage soll dich treffen! … Ein junger Matrose richtet sich plötzlich, schwerverwundet, halb auf und ruft, in der Hand ein schweres Eisenstück, die linke Hand drohend erhoben, mit halberstickter Stimme:

"Wenn du feiges Aas nicht aufhörst zu winken, schmeiß ich dich tot  !"

Dann sinkt er tot zurück. Dein Name soll nicht vergessen sein, du braver Junge, uns allen, Alten wie Jungen ein Vorbild! - Um 1.13 Uhr nachm. kentert S.M.S. “ Blücher “ mit wehender Flagge. 200 Überlebende werden mit Hilfe der englischen Zerstörer gerettet. Die englische Geschichtsschreibung setzt der Besatzung unter ihrem unvergesslichen Kommandanten, Freg. Kapt. Erdmann, der bald darauf im Lazarett starb, ein Denkmal mit folgenden Worten:

“Drei Stunden lang, während deren das Schiff der Brennpunkt einer überwältigenden Feuervereinigung gewesen war, hatte es keinen Augenblick aufgehört, das Feuer zu erwidern. Zweimal waren unsere leichten Kreuzer vorgestoßen, um seine Vernichtung zu vollenden, und zweimal hatte es diese gezwungen, sich zurückzuziehen. Als ein Beispiel von Disziplin, Mut und kriegerischem Geist ist seine Haltung während der Stunden des Unterganges selten übertroffen worden.“

Quelle: Der Nordseekrieg, Doggerbank - Skagerrak, Oldenburg, 1931 - Konteradmiral A. D. Lützow

Das Gefecht auf der Doggerbank - 24. Januar 1915

S.M.S. ' Seydlitz '
Britische Schlachtkreuzer Deutsche Schlachtkreuzer
" Indomitable " " Blücher "
" New Zealand " " Derfflinger "
" Prinzess Royal " " Moltke "
" Tiger " " Seydlitz " (Flaggschiff)
" Lion " ( Flaggschiff)
Geschoßgewicht: 20320 kg Geschoßgewicht: 10144 kg

Die angeführten Angaben sind dem deutschen Marinearchiv entnommen. (Konteradmiral A. D. Lützow - " Marinearchiv: Einzeldarstellungen des Seekrieges 1914 - 1918 / Bd. 1 " - Oldenburg, 1931 - S. 29)

Am Nachmittag des 23. Januar 1915 lichteten 4 deutsche Schlachtkreuzer, 6 kleiner Kreuzer und 22 Zerstörer die Anker, um gegen die Doggerbank aufzuklären. Der britischen Aufklärung blieb die deutsche Unternehmung nicht verborgen, so daß bedeutende Seestreitkräfte für das zu erwartende Gefecht mit den deutschen Überwassereinheiten mobilisiert werden konnten. Das Kräfteverhältnis verhielt sich wie 1 : 2 zu Gunsten der Briten, wobei der Hauptkampf zwischen 4 deutschen und 5 britischen Schlachtkreuzern ausgetragen wurde. Beim Aufeinandertreffen beider Verbände hatten die deutschen Großkampfschiffe eine für sie ungünstige Position inne, in der sie durch Rauch und den Pulverqualm der Geschütze behindert waren. Das dadurch überlegene Geschützfeuer der britischen Schiffe richtete weitaus größeren Schaden an, als das der deutschen Schlachtkreuzer. Auf dem deutschen Schlachtkreuzer

" Seydlitz " brach ein Brand aus, der nur durch Flutung der Munitionskammern gelöscht werden konnte. Trotzdem waren durch die Treffer 2 der 5 schweren Geschütztürme der

" Seydlitz " außer Gefecht gesetzt. Aber auch die britischen Schlachtkreuzer mußten schwere Treffer registrieren. Das Feuer der Briten vereinigte sich nach und nach auf den an Geschwindigkeit benachteiligten deutschen Schlachtkreuzer " Blücher ", der durch diesen Feuerorkan schließlich vernichtet wurde.

Der Befehlshaber des deutschen Verbandes, Admiral Hipper, gab den Befehl zum Rückzug. Es bleibt zu konstatieren, daß trotz schwerster Beschädigungen auf den britischen Schlachtkreuzern nicht ein einziges ihrer Schiffe vernichtet wurde. Dagegen wurde der deutsche Schlachtkreuzer " Blücher " versenkt und die " Seydlitz " so schwer beschädigt, daß sie für längere Zeit nicht zur Verfügung stand.

Nach diesem Gefecht wird deutlich, daß die deutsche Schlachtflotte wiederum zurückgehalten wurde, um sie nicht risikovoll auf's Spiel zu setzen, denn der angestrebte Kräfteausgleich war auch bisher nicht Realität geworden.

Bis zur Seeschlacht vor dem Skagerrak trat der Seekrieg bei den Überwassereinheiten zwischen Deutschland und Großbritannien in ein Ruhestadium.

Die Seeschlacht vor dem Skagerrak 31.5./1.6.1916

Die Seeschlacht vor dem Skagerrak, die die Engländer die „Schlacht vor Jütland“ nennen, war das einzige Aufeinandertreffen beider Schlachtflotten. Beide Seiten beanspruchten hinterher den Sieg. Natürlich verloren die Engländer mehr Schiffe und Seeleute, aber den Deutschen konnte es nicht gelingen, die Grand Fleet entscheidend oder gar vernichtend zu schlagen. Die Seeblockade blieb. Also blieb bis Kriegsende der Großteil der Hochseeflotte im Hafen. Spektakulär war während der Seeschlacht die Versenkung von drei englischen Schlachtkreuzern, darunter die „Queen Mary“, der Stolz der Briten.


Crossing the T

Heinz Neukirchen (DDR, Kontreadimal, Seemacht im Spiegel der Geschichte, 1982):

Diese Gedanken sollen dem deutschen Flottenchef von seinem Stab vorgetragen worden sein, doch Scheer befahl das erneute Hineinstossen der deutschen Linie in das konzentrierte Feuer der gesamten britischen Flotte ( ' Crossing the T ' ). Es wiederholte sich die einseitige Kanonade der ersten Schlachtphase. Wiederum war von den britischen Schiffen nur das Ausblitzen der Abschüsse sichtbar. Als sich die Treffer auf den deutschen Schiffen mehrten, ohne dass die Möglichkeit für eine Feuererwiderung bestand, begriff Scheer, dass die Hochseeflotte vor der Vernichtung, stand. Um der Feuerhölle der britischen Linie zu entrinnen, die Schussentfernungen lagen zwischen 9000 Metern und 18000 Metern, befahl Scheer um neunzehn Uhr siebenundzwanzig erneut die ' Kehrtwendung zugleich! '. Die Situation war aber bereits so kritisch geworden, dass nicht nur die Torpedoboote zum Angriff vorgeschickt wurden, sondern auch die schwer mitgenommenen Schlachtkreuzer den Befehl erhielten ' Ran an den Feind! Voll einsetzen! '
Hipper, der erneut sein Flaggschiff wechseln musste, kam mit seinem Geschwader bis auf die selbstmörderische Entfernung von 7000 bis 8000 Metern an die feindliche Linie heran. Die Geschütztürme der Schiffe wurden durch Treffer nacheinander ausgeschaltet, die Aufbauten und Rümpfe zerrissen.

Die Seeschlacht vor dem Skagerrak

Seit Nelson 1805 die französische Flotte bei Trafalgar geschlagen hatte, waren keine größeren Flotten in offener See zusammengetroffen, bis sich am 31.5.1916 die modernsten und tüchtigsten Flotten, die deutsche und die englische, vor dem Skagerrak begegneten. Jede wußten zwar von der anderen, daß sie in See war, aber die Begegnung beruhte nicht auf einem Plan. Die englische Flotte wollte sich in neutralen Gewässern zeigen, die deutsche durch Handelskrieg den Gegner zum Kampf herauslocken. U - Boote waren nicht auf dem Kampfplatz. An Flugzeugen trat nur eines auf englischer Seite Tätigkeit. So wurde das gewaltige Ringen ausschließlich zwischen den Überwasserstreitkräften ausgefochten. Es standen gegenüber 37 englische Großkampfschiffe 21 deutschen, 8 ältere Panzerkreuzer und 23 moderne kleine Kreuzer auf englischer Seite 6 älteren Linienschiffen, 8 modernen und 5 alten kleinen Kreuzern auf deutscher Seite, 81 englische Zerstörer 61 deutschen. Die Überlegenheit der Engländer war bedeutend. Trotzdem zögerte Admiral Scheer keinen Augenblick den Kampf aufzunehmen. Er vertraute auf die Güte seiner Schiffe, seiner Waffen und auf die gründliche Gefechtsausbildung seiner Besatzungen. Zunächst freilich trafen sich nur die Schlachtkreuzer. Nachmittags um 4.40 eröffnen beide Kreuzeradmirale, Admiral Hipper auf " Lützow " und Admiral Beatty auf " Lion " , auf eine Entfernung von 16000 m das Feuer. Das Wetter ist sichtig, der Himmel klar, die See ruhig. Hipper hat den Kurs so gewählt, daß er den Feind auf das deutsche Gros führt. Sehr bald ist die deutsche Artillerie eingeschossen. Schon nach den ersten Salven sind drei feindliche Schiffe je zweimal oder viermal getroffen. Das Flaggschiff " Lion " brennt. " Indefatigable " bricht 15 Minuten nach Beginn des Gefechts, von mehreren Salven des " von der Tann " getroffen, zusammen und kentert. Eine halbe Stunde später fliegt das neueste Schiff, die " Queen Mary ", unter dem Feuer von " Seydlitz " und " Derfflinger ", in die Luft. Die deutschen Geschosse haben die Munitionskammern erreicht, diese gehen hoch und reißen das 1270 Mann Besatzung tragende Schiff innerhalb Sekunden in tausend Stücke; ein Hagel von Trümmerstücken fällt auf die benachbarten Schiffe nieder. Diese gewaltige Wirkung ist der Eigenart unserer 
" Panzersprenggranaten " zuzuschreiben, die vor den englischen Geschossen den Vorzug haben, nicht gleich beim Auftreffen, sondern erst nach Durchschlagen des Panzers zu detonieren, und die deshalb im Innern des getroffenen Feindes viel schlimmere Verheerungen anzurichten vermögen, als die feindlichen bei uns. Die englischen Kreuzer erhalten Verstärkung durch vier der neuesten Linienschiffe. Von beiden Seiten jagen die Zerstörer gegen den Feind und verwickeln sich gegenseitig in ein Artilleriegefecht auf 1000 bis 1500 m. Zwei englische und zwei deutsche Boote sinken  … Den durch die fast doppelte Übermacht bedrängten deutschen Kreuzern bringt kurz vor 6 Uhr die Linienschiffsflotte mit dem neuesten III. Geschwader an der Spitze Entlastung. Vor ihr weichen die Engländer zurück. Die Flotten kommen außer Sicht. Doch nach weniger als einer Stunde, gegen 7 Uhr, geraten unsere kleinen Kreuzer, die einen feindlichen Kreuzer in Brand geschossen haben, in überraschendes Feuer von drei Seiten;
" Wiesbaden " bleibt manövrierunfähig liegen. Die Sichtigkeit ist sehr viel schlechter geworden, und so folgt jetzt eine Überraschung der andern. Auf nur 4 km tauchen plötzlich die deutschen Schlachtkreuzer bei der " Wiesbaden " auf, versenken einen englischen Panzerkreuzer, die
" Defence ", und schießen einen andern so lahm, daß er auf dem Rückmarsch sinkt. Bald, 7.30 Uhr, erscheinen auf demselben Kampfplatz englische Schlachtkreuzer; doch schon die dritte Salve der " Lützow " trifft einen von ihnen, die " Invincible " , so schwer, daß auch sie, wie " Queen Mary " und " Defence ", in die Luft fliegt. Nun greift von Norden her das englische Gros, geführt von Admiral Jellicoe, in den Kampf ein.

Der Druck des feindlichen Feuers auf die deutsche Spitze wird zu stark; Scheer sieht es und befiehlt: " Gefechtskehrtwendung nach Steuerbord! " Ein paar Flaggen gehen in die Höhe, ein farbiger Signal  - Stern flammt auf und plötzlich drehen alle deutschen Schiffe gleichzeitig, bei einer Fahrtgeschwindigkeit von fast 40 km, auf Gegenkurs. Die Engländer gestehen, ein solches Manöver nicht für möglich gehalten zu haben. In ihm kommt, mitten im schwersten feindlichen Feuer, die Arbeit des alten " Exerziermeisters " der Flotte, Großadmirals v. Köster, zum Ausdruck. Während des Manövers haben Torpedoboote den Feind angegriffen. Der Qualm der anstürmenden Torpedoboote verhüllt die Bewegungen unserer Schiffe, und der englische Geschichtsschreiber schildert deutlich den Eindruck, den das rätselhafte plötzliche Verschwinden der deutschen Flotte hervorgerufen habe. Jellicoe sucht nunmehr die deutsche Flotte über Ost nach Süden zu umklammern. Dem begegnet Scheer, indem er die Flotte wieder durch eine Kehrtwendung nach Osten herumwirft, seine Flottillen zum Angriff ansetzt und den Schlachtkreuzern signalisiert: " Ran an den Feind unter vollem Einsatz  ! " Wilder als je bisher entbrennt jetzt die Schlacht. Von NO bis SO, für die Deutschen kaum sichtbar, schleudern von 8.10 Uhr an die englischen Großkampfschiffe ihre Salven auf 120, 100, ja bei den Schlachtkreuzern sogar nur 70 hm Entfernung auf die deutschen Schlachtkreuzer und die Spitze des III. Geschwaders. Treffer auf Treffer schlägt ein, ein Geschütz nach dem andern fällt aus, Brände entstehen, Gas - und Dampfgefahr kommen hinzu; durch die Schußlöcher dringen gewaltige Wassermengen in die Schiffe ein. Aber unerschüttert halten sie stand. Es gibt keine Gefechtsstörung, die nicht in peinlicher Friedensarbeit einexerziert wäre; es gibt keinen Schrecken, der die Herzen unserer braven Besatzungen bezwingen könnte. Nun brechen die Torpedoboote vor. Vor diesem Angriff wendet Jellicoe nach Südosten ab. Das Feuer verstummt. Die Tagschlacht neigt sich in der anbrechenden Dämmerung dem Ende zu. Auch Scheer wendet wiederum nach Westen und schwenkt über Süden nach Südosten. Das erste Geschwader stößt 12.30 mitten in feindliche Zerstörer hinein. Diese greifen mit bewunderungswürdigem Schneid nacheinander an, alle Angriffe brechen aber vor der Abwehr der Linienschiffe zusammen. Ein englischer Panzerkreuzer nähert sich in dem Glauben, das eigene Gros vor sich zu haben, der Mitte unserer Linie und wird auf 1000 m durch das Feuer von unseren Linienschiffen in wenigen Minuten in eine rot - und weißglühende Masse verwandelt. Die Flammen verbreiten sich mit blitzartiger Geschwindigkeit über das ganze Deck und klimmen an Masten und Schornsteinen bis zur höchsten Spitze empor und in einer gewaltigen Explosion geht der Kreuzer mit Mann und Maus in die Tiefe. Um 1.30 Uhr stößt das deutsche Spitzenschiff " Westfalen " wiederum auf feindliche Zerstörer. Davon wird einer gerammt, ein anderer schwer beschädigt, die übrigen entkommen. Die von der Tagschlacht her schwer havarierte " Lützow " läßt sich, mit 7000 t  Wasser im Schiff, nicht halten; nach Aufnahme der Besatzung einschließlich aller Verwundeten durch Torpedoboote wird sie durch eigenen  Torpedoschuß versenkt. 2.45 Uhr treffen die englischen Zerstörer der Rückendeckung auf unsere Linie, greifen an und versenken durch Torpedoschuß  das alte Linienschiff " Pommern ".
Jellicoe hat die Nachtkämpfe gesehen, hat sich aber mit seinem Gros von ihnen ferngehalten. Es ist beim Morgengrauen in einzelne Verbände zersplittert. Daher entschließt sich Jellicoe, auf eine Erneuerung des Kampfes zu verzichten, schwenkt vielmehr nach Norden, um seine Streitkräfte zu sammeln.  -

Die gewaltigste Seeschlacht der Weltgeschichte ist geschlagen, der Kampfplatz wieder leer. 
Trotz der fast doppelten Überlegenheit an Großkampfschiffen hatten die Engländer die dreifachen Verluste an Menschen (6014 Tote, 674 Verwundete, 177 Gefangene auf englischer Seite, 2535 Tote, 494 Verwundete, kein Gefangene auf deutscher Seite), die doppelten an Schiffsraum (118000 t auf englischer Seite, 61000 t auf deutscher Seite).
Der Ruf der Unüberwindlichkeit der englischen Flotte war zerstört. Die englische Zeitung " Daily News " schrieb am 3. Juni 1916: " Wie bitter das Eingeständnis auch sein mag, wir müssen zugeben, daß wir in der Schlacht bei Jütland eine Niederlage erlitten haben. " " Stockholms Dagblad " schrieb am 4. Juni 1916: " Die größte Bedeutung der Schlacht liegt vielleicht gerade in dem Abbruch von Ansehen, den England im In - und Auslande erleiden mußte. " Der deutsche Sieg war nächst der Führung in erster Linie der vorzüglichen Bauart der Schiffe, der Güte der Artillerie und der gründlichen  Gefechtsausbildung der Besatzungen zu danken. So gebührt außer den unmittelbaren Führern unserer Flotte in der Skagerrakschlacht auch ihrem Schöpfer, Großadmiral von Tirpitz, ein beträchtlicher Anteil am Ruhm. Dasselbe gilt von Großadmiral von Köster, der den Grund zu einer Gefechtsausbildung gelegt hat, wie sie nie eine Flotte bisher erreicht hat. 

Friedrich Lützow

Die Seeschlacht vor dem Skagerrak - 31. Mai / 1. Juni 1916

Das Gefecht auf der Doggerbank hatte wiederum die ungünstige Position der kaiserliche Marine unterstrichen. An den Landfronten tobte seit dem " Wunder an der Marne " 1914 (siehe auch: Kategorie:Weltkrieg 1914-1918) ein erbitterter Stellungskrieg, der beiden Seiten Hunderttausende Tote, Verwundete und Gefangene kostete. Die deutsche Schlachtflotte lag tatenlos vor Anker, während die Fernblockade der Briten dagegen Wirkung zeigte und der Mangel an Rohstoffen und Lebensmitteln deutlich unterstrich, wie ratlos man in der deutschen Seekriegführung war. In der deutschen Öffentlichkeit wurde immer mehr Kritik an der Zurückhaltung der Flotte geübt. Der Gedanke, daß die Flotte angreifen müsse, gewann mehr und mehr an Boden. Schließlich ernannte Kaiser Wilhelm II. am 24. Januar 1916 den bisherigen Chef des II. Geschwaders, Vizeadmiral Scheer, zum Chef der Hochseeflotte. Obwohl der Operationsplan des Kaisers unverändert blieb, hatte Scheer jedoch einen weitaus größeren Spielraum für aktive Operationen der Flotte erhalten. Die bis Frühjahr 1916 untätig vor Anker liegende Schlachtflotte unternahm nun neue Vorstöße an die englische Küste. Ende April 1916 beschossen deutsche Großkampfschiffe britische Küstenbefestigungsanlagen, was in Großbritannien besondere Unruhe und Angst vor einer möglichen deutschen Invasion auslöste. Die britische Admiralität war sich darüber einig, daß man nur bei dringender Notwendigkeit eine Seeschlacht mit den Deutschen annehmen müsse, d.h. bei Gefahr einer Invasion oder eines Blockadedurchbruches. Doch auch die britische Öffentlichkeit forderte den Einsatz der Flotte, um einer etwaigen Invasion der Deutschen zu begegnen. Als Admiral Scheer sich entschlossen hatte, die Küstenbefestigungen von Sunderland zu beschießen, mußte er diese Absicht wegen des äußerst ungünstigen Wetters aufgeben und so gab er den Befehl zu einem Vorstoß in Richtung Skagerrak, da dort leichte Überwassereinheiten der Briten den Handelsverkehr zwischen den Britischen Inseln und den skandinavischen Ländern sicherten. Der britische Flottenchef, Admiral Jellicoe, der für den 2. Juni 1916 einen offensiven Flottenvorstoß auf die Ostseezugänge angesetzt hatte, erfuhr aber über die Funkaufklärung von einer geplanten Unternehmung der Deutschen Hochseeflotte gegen die englische Küste und befahl daher das Auslaufen der Grand Fleet für den 30. Mai sowie das Sammeln aller britischen Geschwader etwa 100 Seemeilen östlich der schottischen Küste. Am 31. Mai 1916 erfolgte dann der Zusammenstoß beider Flotten, als der am weitesten westlich stehende deutsche kleine Kreuzer " Elbing " die beiden britischen Kreuzer " Galatea " und " Phaeton " sichtete. Um 14.32 Uhr gab die " Galatea " den ersten Schuß der Schlacht ab. Der erste Abschnitt der Schlacht war der Kampf der Schlachtkreuzer. 

5 deutschen standen 6 britische Schlachtkreuzer gegenüber. Die deutschen befehligte Admiral Hipper, die englischen Admiral Beatty. Nach Insichtkommen liefen die britischen Schlachtkreuzer mit anliegendem Südkurs auf die deutschen Schlachtkreuzer zu, die auf Parallelkurs gingen, um die Briten auf die geballte Macht der deutschen Linienschiffsgeschwader zu ziehen. Waren die Deutschen im Gefecht auf der Doggerbank durch Rauch und Qualm der Geschütze stark behindert, so waren es am Tage der Skagerrakschlacht die Briten, die mit solch einer ungünstigen Position konfrontiert waren. Zudem hoben sich die britischen Schiffe klar vom Horizont ab, während die Sicht der Briten durch den Rauch der Spitzenschiffe und einer Zerstörerflottille stark beeinträchtigt wurde. Die deutschen Schlachtkreuzer waren wesentlich schneller eingeschossen und erzielten auch die größere Anzahl an Treffern. Die Briten dagegen mußten mit Erbitterung zur Kenntnis nehmen, daß durch das falsche Entfernungsmessen auf dem Flaggschiff die Granaten weit über das Ziel hinausschossen. So gelang es den deutschen Schiffen, innerhalb eines nur kurzen Feuerwechsels einen der gegnerischen Schlachtkreuzer, die " Indefatigable " zu vernichten. Über tausend Mann der Besatzung verloren dabei ihr Leben. Ein Augenzeuge, der Navigationsoffizier der " New Zealand " berichtete:

" Wir waren erst ein paar Minuten im Gefecht, als der Geschwadersekretär auf die Indefatigable aufmerksam machte … Sie war achtern … getroffen; aus den Aufbauten drang viel Rauch … Während der Torpedooffizier sie noch durch das Glas beobachtete, erhielt sie zwei Treffer … Beide Geschosse schienen beim Auftreffen zu krepieren … Nach den 30 Sekunden aber flog das Schiff in die Luft … Das Schiff stand einen Augenblick in einem Feuermeer. "

(Kontreadmiral A. D. Lützow - " Marinearchiv: Einzeldarstellungen des Seekrieges 1914 - 1918 / Bd. 1 " - Oldenburg, 1931 - S. 83)

Beatty entzog nun seine Schlachtkreuzer vorerst der wirksamen Reichweite der deutschen Geschütze, indem er die Entfernung auf etwa 19 Kilometer vergrößerte. Zudem hatte das V. britische Schlachtgeschwader, aus 4 modernen Großkampfschiffen bestehend, die zur Quenn - Elizabeth - Klasse gehörten, Beatty erreicht. Mit ihren 38,1 cm - Geschützen eröffneten diese Schiffe ein wirkungsvolles Feuer auf die deutschen Schlachtkreuzer, die Mühe hatten, diese Salven, die auf 17,5 Kilometer Entfernung fielen, auszumanövrieren. Dabei kamen auch die Schlachtkreuzer der Briten wieder in Reichweite der deutschen Geschütze. Auf nur 13,5 Kilometer Entfernung wurde die " Queen Mary " mit einem nur kurz andauernden Geschützfeuer der " Derfflinger " überschüttet. Nach zwei Minuten flog das 27430 tons große Schiff, eines der modernsten und größten der Briten überhaupt, in die Luft. 1266 Mann verloren dabei ihr Leben - nur acht Mann der Besatzung überlebten. 

Auch hier sei ein Augenzeuge zitiert:

" Zuerst zuckte im Vorschiff eine grelle rote Flamme auf. Dann erfolgte im Vorschiff eine Explosion, der noch eine stärkere im Mittelschiff folgte. Schwarze Bestandteile des Schiffes flogen in die Luft, und gleich darauf wurde das Schiff von einer ungeheuren Explosion erfaßt. Eine riesige Rauchwolke entwickelte sich … "

(Heinz Neukirchen - " Seemacht im Spiegel der Geschichte " - Berlin, 1982 - S. 344)

Trotz der zwei vernichteten Schiffe besaßen die Briten nach wie vor die Überlegenheit, so daß Hipper vor dem feindlichen Feuer abdrehte. Beide Seiten setzten ihre Torpedoboote ohne Erfolg ein. Hipper versuchte nun, die britischen Schlachtkreuzer auf die deutsche Hauptmacht zu lenken. Durch Funk war ihm der genaue Standpunkt der Hochseeflotte bekannt, doch dieser Funkspruch war vom Gegner mitgehört und dechiffriert worden. Bald konnten die britischen Kreuzer ihren Gegner ausmachen - die " Southhampton ", ein kleiner Kreuzer, gab das sofort an Admiral Jellicoe durch. Daraufhin wendete Beatty mit den Schlachtkreuzern und dem V. Schlachtgeschwader in Richtung des Gros' der Grand Fleet. Scheer, der an eine Flucht des Gegners glaubte, hielt den Augenblick für gekommen, um endlich einen Teil der Schlachtflotte der Briten zu vernichten. Die Schlachtkreuzer Hipper ordneten sich in die Kiellinie der Hochseeflotte ein. Bei der Verfolgung gelang es den Deutschen, einen Panzerkreuzer, die 

" Defence " zu versenken und einen weiteren so zu beschädigen, daß er auf dem Heimmarsch aufgegeben werden mußte. Aber auch der kleine deutsche Kreuzer " Wiesbaden " ging verloren (siehe an: Gorch Fock - www.keili-online.de / " Krieg auf See "). Beide Flotten kamen sich rasch näher, wobei Jellicoe ständig durch Beatty über Kurs und Formation der Hochseeflotte informiert wurde. Als Beatty mit der Grand Fleet in Sichtkontakt kam, vollzog er mit seinen Schlachtkreuzern eine erneute Kehrtwendung und griff die Spitze der deutschen Linie an, um ihr die Sicht auf das Gros der Grand Fleet zu versperren. Jellicoe inzwischen legte sich mit seiner Kiellinie quer vor die im Anmarsch befindliche Hochseeflotte und vollzog damit das " Crossing the T ", was schon seit jeher das Symbol für die überlegene Position einer Flotte darstellt. Über 300 schwere Geschütze griffen nun konzentriert die deutsche Spitze an. Admiral Scheer wurde nun zum Verteidiger. Dieses Mal waren die deutschen Kriegsschiffe deutlich am Horizont zu sehen, während die Hochseeflotte kaum etwas vom Gegner zu sehen bekam. Durch den Feuerorkan der Briten mußte der deutsche Schlachtkreuzer " Lützow " brennend die Linie verlassen und später aufgegeben. Zwischen der " Derfflinger " und der 

" Invincible ", einem Schlachtkreuzer des III. britischen Schlachtkreuzergeschwaders, tobte ein erbittert geführter Geschützkampf. Nach nur viermaligem Salvenwechsel wurde das britische Schiff vernichtend getroffen. Auch dieser Schlachtkreuzer wurde auseinandergerissen. 

Wieder soll ein Augenzeuge zu Wort kommen:

" Da sah ich an Steuerbord voraus die zwei Enden eines Schiffes, die senkrecht aus dem Wasser herausragten; das Schiff schien in der Mitte durchgebrochen zu sein und die Hälften jede für sich zu schwimmen. Mein Stückmeister hielt das Schiff für ein deutsches, und die Geschützbedienung rief Hurra, aber ich konnte den Namen Invincible lesen ! 4 oder 5 Überlebende klammerten sich an schwimmende Wrackstücke. "

(Konteradmiral A. D. Lützow - " Marinearchiv: Einzeldarstellungen des Seekrieges 1914 - 1918 / Bd. 1 " - Oldenburg, 1931 - S. 108)

Auch hier wurden über 1000 Mann der Besatzung getötet. Ich bin der Ansicht, daß die Vernichtung von drei hochwertigen und modernen britischen Schlachtkreuzern nur durch die verheerende Wirkung der deutschen Panzersprenggranaten zu erklären ist. Die deutschen Panzersprenggranaten detonierten erst nach Durchdringung des gegnerischen Panzerstahlstahl und brachten somit die im Inneren des Schiffes aufgestapelte Munition zur Explosion. 

Doch auch die Vernichtung der " Invincible " änderte nichts an der Tatsache, daß Treffer auf Treffer auf den deutschen Schiffen einschlug. Die deutsche Hochseeflotte stand zu diesem Zeitpunkt vor völliger Vernichtung. Admiral Scheer muß das drohende Desaster erkannt haben und befahl daher um 18.33 Uhr eine " Kehrtwendung zugleich ". Gleichzeitig griffen die Torpedoboote an, um im Abdrehen vom Feind eine Nebelwand zu legen. Dieses exakt durchgeführte Manöver brachte Scheer Erfolg, denn die Briten wagten es nicht, diese Nebelwand zu durchstoßen. Die Gefechtsfühlung zwischen beiden Flotten ging verloren. Der Hochseeflotte war es dadurch möglich geworden, selbst das " Crossing the T " zu vollziehen. Hier liegt meines Erachtens auch der strategische schwerwiegende Fehler eines Reinhard Scheer, der statt die britischen Schlußschiffe zu umschließen, um 18.50 Uhr eine erneute Kehrtwendung befahl, so daß er seine Flotte erneut dem selbstmörderischen Feuer aussetzte, dem sie soeben entkommen war. Und wieder drohten die immer zahlreicher werdenden Treffer die Hochseeflotte zu vernichten. Scheer gab darum den Befehl zum Angriff der Torpedoboote. Die Schlachtkreuzer erhielten von ihm den später so berühmt gewordenen und hochstilisierten Befehl:

" Schlachtkreuzer ran an den Feind ! Voll einsetzen ! "

Die Schlachtkreuzer kamen bis auf nahezu selbstmörderische 7 - 8 Kilometer an die britische Linie heran. Ein Debakel drohte, denn die Schlachtkreuzer Admiral Hippers wurden durch unzählige Treffer verwüstet. Hipper mußte sogar erneut das Flaggschiff wechseln. Erst als die Torpedoboote zum Angriff aufschlossen, Torpedos abfeuerten und Nebelwände zogen, trat eine Entspannung der Lage ein. Die britischen Kriegsschiffe mußten sich auf das Ausweichen der Torpedos konzentrieren, so daß Scheer mit der Hochseeflotte wieder die Kehrtwendung vollziehen und die Schlachtkreuzer zurückrufen konnte. 

Die Tagschlacht war damit zu Ende. Scheer legte den Kurs der Flotte auf Südost in Richtung Horns Riff. Dabei mußten sich die Spitzenschiffe massiver Zerstörerangriffe erwehren. Während der Nacht sanken dann die deutschen Schiffe " Frauenlob ", " Elbing ", " Rostock " und 

" Pommern ". Der Schlachtkreuzer " Lützow ", durch die Tagschlacht schwer beschädigt, mußte aufgegeben werden. Das einzige britische Großkampfschiff, das innerhalb dieser Gefechtsphase vernichtet wurde, war die " Black Prince ". Sie hatte die Grand Fleet verloren und war in Nähe der deutschen Flotte geraten, die in kürzester Zeit das unglückliche Schiff vernichtete. Außerdem gingen mehrere Zerstörer der Briten im deutschen Abwehrfeuer verloren. 

Am Morgen des 1. Juni 1916 stand Scheer mit der Flotte bei Horns Riff. Jellicoe, der südwestlich davon stand, konnte der Hochseeflotte somit nicht den Weg in die Heimatbasen verlegen. Er selbst gab Befehl zum Rückmarsch der Grand Fleet. 

Als die Hochseeflotte in ihren Heimatbasen einlief, wurde Admiral Scheer als Sieger gefeiert, sein strategisch schwerwiegender Fehler während der Schlacht verschwiegen. Sicher, die deutsche Seekriegsflotte hatte mehr Schiffsraum versenkt, doch die strategischen Aufgaben, die vor dieser Schlacht standen waren nicht im geringsten gelöst. Man hatte weder die Blockade durchbrechen können noch einen Teil der britischen Royal Navy vernichtet. So erscheint es höchst unverständlich, wenn da der Chef der Hochseeflotte in einem Bericht über die Skagerrakschlacht an den Kaiser schreibt:

" … daß wir uns … von richtigen strategischen und taktischen Anschauungen haben leiten lassen … An dem ERFOLG haben alle Waffen ihren Anteil … "

(Helmut Otto; Karl Schmiedel - " Der erste Weltkrieg: Dokumente " - Berlin, 1977 - S. 176)

Mir ist schleierhaft, wo die Skagerrakschlacht als ERFOLG für Deutschland zu werten ist. Doch auch Wilhelm II. berauschte sich an dem ERFOLG . An Tirpitz, dem Schöpfer dieser Flotte schrieb er folgendes Telegramm:

" An Großadmiral von Tirpitz ! Nach dem Besuch Meiner aus schwerem Kampf SIEGREICH heimgekehrten Flotte ist es Mir ein Bedürfnis, Ihnen nochmals Meinen kaiserlichen Dank zu sagen für das, was Sie in Meinem Auftrage … geschaffen haben … der Schlachttag in der Nordsee ist auch ein RUHMESTAG für Sie geworden … "

(Konteradmiral A. D. Lützow - " Marinearchiv: Einzeldarstellungen des Seekrieges 1914 - 1918 / Bd. 1 " - Oldenburg, 1931 - S. 158)

Die Briten sind da bei der Bewertung dieser Seeschlacht weitaus realistischer:

" Jellicoe war der Sieger über Scheer … Nach der Jütlandschlacht dachte kein überlegt denkender deutscher Seeoffizier noch daran, die Grand Fleet herauszufordern. Das Ergebnis der Schlacht war eine Verstärkung der britischen Vorherrschaft auf See. "

(Heinz Neukirchen - " Seemacht im Spiegel der Geschichte " - Berlin, 1982 - S. 349)

Es bleibt zu konstatieren, daß trotz größerer britischer Verluste, nicht die Blockade der deutschen Küste, geschweige die Seeherrschaft der Briten in Frage gestellt wurde. 


Das Kräfteverhältnis zwischen der Grand Fleet und der Deutschen Hochseeflotte am Tag der Seeschlacht vor dem Skagerrak

(Heinz Neukirchen - " Seemacht im Spiegel der Geschichte " - Berlin, 1982 - S. 342)

Schiffstyp Deutsche Hochseeflotte Grand Fleet
Schlachtkreuzer 5 9
Dreadnoughts 16 28
Linienschiffe (alt) bzw. Panzerkreuzer 6 8
Kreuzer 11 26
Torpedoboote / Zerstörer 61 74

Der Kampf der Schlachtkreuzer

Deutsche Schlachtkreuzer Britische Schlachtkreuzer
" Lützow " (Flaggschiff) " Lion " (Flaggschiff)
" Derfflinger " " Princess Royal "
" Seydlitz " " Queen Mary "
" Moltke " " Tiger "
" von der Tann " " New Zealand "
" Indefatigable "

Die Verluste beider Flotten in der Seeschlacht vor dem Skagerrak

S.M.S. ' Wiesbaden ' - 1.6.1916 - Gorch Fock
Hochseeflotte Grand Fleet
Schlachtkreuzer 1 3
ältere Linienschiffe 1 0
Panzerkreuzer 0 3
kleine Kreuzer 4
Siehe auch: Gorch Fock S.M.S. " Wiesbaden "
0
Torpedoboote / Zerstörer 5 8

Heinz Neukirchen - " Seemacht im Spiegel der Geschichte " - Berlin, 1982 - S. 348

Flaggenlied

Stolz weht die Flagge schwarz-weiß-rot
An unsres Schiffes Mast.
Dem Feinde weh, der sie bedroht,
Der diese Farben haßt!
Sie flattert an dem Heimatstrand
Im Winde hin und her,
Und fern vom teuren Vaterland
Auf sturmbewegtem Meer.
Ihr woll`n wir treu ergeben sein,
Getreu bis in den Tod,
Ihr woll`n wir unser Leben weih`n,
Der Flagge schwarz-weiß-rot. Hurra!


Quelle: Sven Hedin - „Ein Volk in Waffen“, Leipzig, 1915


Der Text soll keineswegs rechtes und nationalistisches Gedankengut assoziieren. Auch er zeigt den damals üblichen Zeitgeist.

27.11.1916

Seekriegshelden aus deutscher Sicht

Der Seeteufel-Felix Graf von Luckner

Porträts in Uniform

unsere Helden zur See

Unsere Helden See.jpg

Meuterei 1917

Am 5.9.1917 mit dem Obermatrosen Max Reichspietsch und dem Heizer Albin Köbis zwei Angehörige der Kaiserlichen Marine erschossen, welche als Haupträdelsführer der Unruhen in der Flotte von 1917 ausgemacht worden waren. Als es erneut zu Gehorsamverweigerungen auf der Hochseeflotte kam, welche schließlich zur Revolution und zum Zusammenbruch des Kaiserreiches mit beitrugen. (Hans Georg Steltzer: Die deutsche Flotte, 1989)

Die Waffenstillstandsbedingungen. Berlin, 10. November (1918). Amtlich.

Auszug aus den Waffenstillstandsbedingungen

…

14. Abgabe von 100 U - Booten, 8 leichten Kreuzern und 6 Dreadnoughts. Die übrigen Schiffe werden in ausländischen oder neutralen Häfen von den Alliierten entwaffnet. 

…

16. Die Blockade bleibt bestehen. Deutsche Schiffe dürfen weiter gekapert werden … "


(Die Waffenstillstandsbedingungen. - " In: Sonderblatt des Frauensteiner Anzeigers " - Frauenstein, 1918 (10. November) - 1 S.)

Siehe auch: Kategorie:Weltkrieg 1914-1918

Scapa Flow - 21.6.1919 - Selbstversenkung der Kaiserlichen Hochseeflotte

Da die deutsche Regierung kurz davor stand, den Vertrag von Versailles zu unterzeichnen, der in Artikel 184 die Auslieferung aller Kriegsschiffe in Scapa Flow vorsah, initiierte Konteradmiral Ludwig von Reuter die organisierte Selbstversenkung (Wikipedia, Befehlshaber des Scapa Flow in internierten deutschen Flottenverbandes). So versank am 21.6.1919 mit wehender Flagge die mit soviel Hoffnung und Erwartung erbaute deutsche Hochseeflotte mit 10 Linienschiffen, fünf Schlachtkreuzern, fünf Kleinen Kreuzern und 46 Torpedobooten in den Fluten des britischen Marinestützpunktes Scapa Flow (Quelle: Hans Georg Steltzer: Die Deutsche Flotte, Frankfurt, 1989).

… Inmitten sieben größerer und kleinerer Inseln der Orkneygruppe, nördlich von Schottland, liegt die Bucht von Scapa Flow. Eine trostlose Gegend. Kahle Felsen ragen zum Himmel, vergebens sucht das Auge Baum oder Strauch, nur kümmerliches Heidekraut bedeckt hin und wieder den steinigen Boden. Das war also der Ort, an dem die deutsche Flotte nach ihrer erzwungenen Auslieferung vertragswidrig festhalten wurde. Ein englisches Geschwader und eine Zerstörerflottille bewachten Tag und Nacht unsere Schiffe. Uns fehlte alles. Ein Durchbruchsversuch war also von vornherein zum Scheitern bestimmt. Und doch, darüber war sich jeder klar, unsere Flotte, die während des Krieges niemals die Flagge gestrichen, und die im Gegenteil den Ruhm der englischen Unbesiegbarkeit zur See durch die Skagerrakschlacht ( Skagerrakschlacht ) zunichte gemacht hatte, durfte niemals so ohne weiteres in die Hände der Gegner fallen. Wie konnte das nun geschehen? Woche um Woche verging. Monat reihte sich an Monat, unsere Lage blieb die gleiche. Die Hoffnung, an die sich so viele klammerten, daß wir nach einer bestimmten Zeit wieder mit unseren Schiffen nach den Heimathäfen entlassen werden würden, schwand immer mehr, und die Stimmung wurde immer gedrückter. Vizeadmiral von Reuter beschloß, den größten Teil der Besatzung in die Heimat zu entlassen. An Bord verblieben sämtliche Offiziere und ein Rest von 50 bis 60 Köpfen, namentlich Unteroffiziere, die ihren Schiffen bis zuletzt die TREUE halten wollten.

Nun erst konnte es an die Durchführung des Planes gehen, der in der Zwischenzeit zur Vollendung gereift war, nämlich an die Versenkung der Flotte. Die Befehle dazu waren im Laufe der Zeit den Kommandanten bekannt gegeben worden, ebenso die Gründe, die die Versenkung notwendig erscheinen ließen. Nur der genaue Zeitpunkt fehlte noch. Der 21. Juni zieht herauf. Lachender Sonnenschein liegt über der weiten Bucht von Scapa Flow. In gewohnter Weise hat der Tagesdienst seinen Anfang genommen. Da, um die neunte Stunde, lichten plötzlich die englischen Kriegsschiffe die Anker und verlassen bis auf drei Zerstörer zum erstenmal, seitdem die deutsche Flotte an Ketten gelegt ist, die Bucht. Kein Mensch will's glauben, und doch ist es Tatsache. Damit ist aber auch der rechte Zeitpunkt gekommen, das fühlt jeder. Aller Augen sehen voller Spannung nach dem Flaggschiff, denn dort muß die Entscheidung fallen, und in der Tat, flatternd steigt ein Signal hoch: " Brücken dauernd besetzt halten. " Die Spannung wächst. Abermals wehen Signalflaggen im Winde. Hastig werden sie entziffert. Und nun kommt das Ende. Die Versenkungsgruppen stürzen hinunter ins Schiff an die Arbeit. Alles ist genau besprochen und vorbereitet. Schotten und Ventile werden geöffnet. Mächtig dringt das Wasser rauschend und gurgelnd. Die Bucht am Scapa Flow wird zum Grab der deutschen Flotte. Schiff an Schiff schießt mit wehender Kriegsflagge in die Tiefe. Erschütternd, dies Ende der zweiten deutschen Flotte, und doch, es mußten sein, denn ehrlos wären die Männer für immer gewesen, wenn sie zugelassen hätten, daß die " Unbesiegte " an das Volk verschachert und verkauft worden wäre, das sie im offenen, ehrlichen Kampfe nicht zu besiegen vermocht hatte.

Aber der Bericht über die Versenkung in Scapa Flow wäre unvollständig, wenn wir uns nicht auch der Toten erinnerten, die bei dieser heldenhaften Tat ihr Leben gelassen haben. Als nämlich die zurückgebliebenen Besatzungen der englischen Zerstörer und Fischdampfer begriffen, daß die Unseren ihre Schiffe versenkten und sich in die Boote und auf die Rettungsflöße begaben, da ließen sie sich zu Taten hinreißen, die dem englischen Volke für immer das Recht nehmen, sich über angebliche deutsche Kriegsverbrechen zu entrüsten. Was von englischer Seite getan worden ist, das schlägt allem Völkerrecht und jeder Menschlichkeit ins Gesicht. Wer nämlich im Besitz eines Schießinstrumentes war, der eröffnete nun auf die wehrlosen Deutschen Feuer. Von Bord und von Land aus klatschten die Kugeln rings um die Rettungsboote und Flöße ins Wasser und verwundeten und töteten Offiziere und Mannschaften. Immer wieder hört man das wüste Hurrabrüllen der Engländer, wenn die Unseren aus den Booten ins Wasser springen, um ihr Leben vor den englischen Salven in Sicherheit zu bringen, und zwischendurch gellen die Rufe: " Sofort auf Eure Schiffe zurück! Stoppt das Sinken oder fahrt zur Hölle! " Es ist, als ob ein Hexensabbat über Scapa Flow heraufgezogen wäre. In bellenden Morsezeichen heulen die Dampfpfeifen der Fischdampfer: " German ships are sinking. " Und dann brausen mit höchster Fahrt, Schaum vor dem Bug, die Linienschiffe und englischen Zerstörer in die Bucht zurück. An Bord ist alles gefechtsklar. Die 38 cm - Kanonen sind auf die Reste der deutschen Flotte gerichtet. Aber sie kommen zu spät.

Das große Drama geht dem Ende zu. Die Feuersalven, die die Stille der Bucht zerrissen, werden schwächer und schwächer. Die letzten Schiffe kämpfen ihren Todeskampf. S.M.S. Hindenburg ragt wie ein Fels aus dem Meer. Er ist senkrecht in die Tiefe gegangen. Fünf große Kreuzer, zehn Linienschiffe, fünf kleine Kreuzer und 50 Torpedoboote liegen unbesiegt im selbstgewählten Grabe in der Bucht von Scapa Flow.

Friedrich August Ronneberger

Reuter, Vizeadmiral von - Scapa Flow - Das Grab der deutschen Flotte - Leipzig, 1921

19.11.1918 - 11 S.

" Ein sonniger, ruhiger Herbsttag. Die lange Reihe der Schiffe und Torpedoboote setzte sich in Formation, an der Spitze die fünf Panzerkreuzer ' Seydlitz ', ' Moltke ', ' Hindenburg ',
' Derfflinger ' und ' von der Tann ', dann das IV. und III. Geschwader, geführt von
' Friedrich der Große ', ihm folgten die kleinen Kreuzer und diesen die Torpedoboote. "

21.11.1918 im Firth of Forth - " Einlaufen " - 13 S.

" Die deutsche Flagge ist um 3.57 nachmittags niederzuholen und darf ohne Erlaubnis nicht wiedergehißt werden. "

Zw. 22. u. 25.11.1918 Auslaufen nach Scapa Flow - 17 S.

17.6.1919 Befehl Reuters - 65 S.

" Kommando des            den 17. Juni 1919
Interniertenverbandes 
B. Nr. P. 39

            N u r     d u r c h     O f f i z i e r !
                Persönliches  !
    An alle Kommandanten und F. d. T.

    1. Es sind sofort die notwendigen Vorbereitungen zur Versenkung der Schiffe so treffen, daß sichergestellt ist, daß das Schiff bei Empfang eines Befehles so schnell wie möglich sinken wird ...
      5.   Die Versenkung hatt stattzufinden:
    a) im Falle einer gewaltsamen Besetzung seitens der Engländer 
    b) beim Empfang eines besonderen Befehls von mir. "

》Engländer verlassen mit Linienschiffen und Zerstörern d. Hafen - 69 S.

21.6.1919 - 70 S.

" Kurz nach 12 Uhr neigte sich ' Friedrich der Große ' unter gleichzeitigem Tiefensinken mehr und mehr zur Seite …
' Friedrich der Große ' legte sich weiter über, in die offenstehenden Seitenfenster ergießen sich Ströme v. Wasser ins Innere - noch einige Minuten, er kentert und sinkt in die Tiefe … "
》 engl. Wachboote schießt … auf Wasser treibende Boote v. Schiffbrüchigen (" König Albert ", " Brummer ", " Moltke ") … - 71 S.
" Welches Bild! Vor uns bäumte sich der ' Große Kurfürst ' steil in die Höhe. Klirrend brachen die Ankerketten, schwer fiel er nach Backbord über und kenterte. Der rote Anstrich seines Bodens leuchtete weit über die blaue See … 72 S.
Das Riesenschiff kentert und fährt mit der deutschen Flagge  wehende zu Grunde. " 

(S.M.S. " Bayern " - 73 S.)

》Dt. Verluste: 10 Tote - Korvettenkapitän Schumann S.M.S. " Markgraf ", 16 Verwundete - 80 S.

Selbstversenkte dt. Schiffe

" Baden " Flottenflaggschiff, " Seydlitz ", " Derfflinger ", " Moltke ", " Cöln ", " Bremse ", 
" Nürnberg ", " Bayern ", " König ", " Markgraf ", " Gr. Kurfürst ", " Zerstörer ", " Hindenburg ",
" von der Tann ", " Frankfurt ", " Karlsruhe ", " Brummer ", " Dresden ", " Emden ",
" Friedrich der Große ", " Kaiser ", " Kaiserin ", " König Albert ", " Prinzregent Luitpolt ",
" Konzpr. Wilhelm ", " Torpedoboote "

Thomas Keilhack - Von der Deutschen Bücherei, Deutscher Platz, Leipzig, 7010 - Student - Str. d. Jugend 5 - 7, Leipzig 7060 DDR / 3.10.1990 BRD - Deutschland

Das Ende 1918

Erinnerung an unser Weihnachtsfest auf S. Lothringen 1918

Der Waffenstillstand vom 11.11.1918 sah die Auslieferung der Schiffe an den Feind vor. An Weihnachten 1918 hießen die Schiffe nicht mehr S.M.S. ........., sondern das S.M. für `Seine Majestät`fiel weg, denn es gab keinen Kaiser mehr. Es blieb nur noch die Bezeichnung `S` übrig, was hier in dem Bild für die Besatzung der `S. Lothringen`gilt, die Weihnachten an Bord gefeiert haben muss.












Weblinks

http://www.volksbund.de